
Vor dem Hintergrund der Spannungen im Nahen Osten, insbesondere der Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran, beobachten viele mit heimlicher Genugtuung das, was als das Ende des „Dubai-Modells“ wahrgenommen wird…
Zu den Erzählungen, die den Hintergrund für den Krieg im Iran bilden, gehört etwas, das ich als „Schadenfreude“ gegenüber Dubai bezeichnen würde. Es ist ein deutsches Wort, das eine Art heimliche Schadenfreude über das Unglück anderer beschreibt. Viele empfinden Genugtuung über das Ende des Dubai-Modells oder über das, was man für sein mögliches Ende hält.
Inmitten der Spannungen im Nahen Osten, insbesondere der Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran, beobachten viele mit heimlicher Genugtuung das vermeintliche Ende des „Dubai-Modells“. Lange Zeit als Mekka des arroganten Kapitalismus und Steueroase verschrien, scheint der Stadtstaat nun für seinen übermäßigen Prunk eine Art „göttliche Strafe“ zu erhalten. Hinter dieser Erzählung verbergen sich jedoch drei grundlegende Irrtümer, die die Vorstellung eines unausweichlichen Niedergangs infrage stellen.
Der erste und weitverbreitetste Irrglaube ist, Dubais Reichtum stamme aus dem Öl. Anders als andere Emirate verfügt Dubai über nahezu keine Ölreserven. Daher war die Stadt gezwungen, eine Wirtschaft aufzubauen, die auf Kreativität und Innovation basiert. Anstatt sich auf natürliche Ressourcen zu verlassen, errichtete Dubai ein Imperium aus Logistik, Transport, Tourismus, Finanzen und Immobilien. Dieser Erfolg war nicht garantiert, sondern das Ergebnis einer strategischen Vision, Reichtum dort zu schaffen, wo er von Natur aus nicht vorhanden war.
Zweitens: Auch wenn der übertriebene Luxus nicht jedermanns Geschmack trifft, präsentiert sich Dubais kapitalistisches Modell als überlegene Alternative zu anderen dominanten Modellen in der arabischen Welt. Jahrzehntelang verharrte ein Großteil der Region in einer Opfermentalität, regiert von inkompetenten und korrupten Eliten, die es versäumten, Wohlstand zu schaffen, und stattdessen ständig Israel und den Westen dafür verantwortlich machten. Dubai wählte einen anderen Weg: Es krempelte die Ärmel hoch und schuf Reichtum. Dieses Modell ist auch dem des Aggressors Iran, einer Theokratie unter der Herrschaft einer fanatischen Kaste, die in der Region und darüber hinaus nichts als Leid und Krieg gesät hat, deutlich vorzuziehen.
Es ist verfrüht, Dubais Untergang zu verkünden. Trotz der außergewöhnlichen Herausforderungen der Zeit berichten Einwohner und Beobachter von einer überraschenden Widerstandsfähigkeit der Stadt. Die aktuellen Schwierigkeiten sind groß, doch Dubais Anpassungs- und Überlebensfähigkeit übertrifft die kursierenden apokalyptischen Narrative. Schon heute das Ende zu feiern, wäre ein verfrühter Fehler. / Adaptiert aus „Pamphlet“ von „Corriere della Sera“
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