Der von der New York Times veröffentlichte Bericht über die angebliche Anwerbung von Mahmoud Ahmadinejad durch den Mossad enthält eine Reihe von Elementen, die Zweifel an der Durchführbarkeit und Glaubwürdigkeit der beschriebenen Operation aufkommen lassen.
Die am 13. Juli von der New York Times veröffentlichte Untersuchung über den mutmaßlichen Mossad-Versuch, den ehemaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad (2005–2013) anzuwerben, um ihn später wieder an die Macht zu bringen, ist zweifellos faszinierend. Ob sie glaubwürdig ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Der Höhepunkt der Geschichte dürfte während des Konflikts erreicht worden sein, der am 28. Februar begann, als ein israelischer Angriff auf Teheran es Mossad-Agenten ermöglichte, Ahmadinejad heimlich aus seiner Residenz zu holen und ihn an einen sicheren Ort zu bringen. Anschließend soll er den Kontakt zu den Israelis abgebrochen haben, da er ihnen misstraute. Dies wirft eine einfache Frage auf: Wenn der Mossad ihn unter Kontrolle hatte, warum ließen sie ihn dann gehen? Wäre ihm die Flucht gelungen, wäre die Operation unprofessionell gewesen.
Obwohl die Geschichte auf Geheimdienstinformationen beruht, wirft sie einige Fragen auf. Die angebliche Rekrutierungsmethode selbst ist nicht überzeugend. Die Kontakte sollen 2022 begonnen und sich mit Treffen in Budapest, getarnt als akademische Konferenzen, fortgesetzt haben, bis hin zu zwei Treffen zwischen Ahmadinejad und dem damaligen Mossad-Chef David Barnea.
Ebenso fragwürdig ist das Ziel selbst. In der iranischen Machtstruktur gehört der Präsident nicht zum eigentlichen Entscheidungszentrum, das vom Obersten Führer, dem Obersten Nationalen Sicherheitsrat und den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) kontrolliert wird. Aus nachrichtendienstlicher Sicht wäre es sinnvoller, einen Berater des Obersten Führers oder einen hochrangigen IRGC-Offizier anzuwerben.
Die Vorstellung, dass eine solch heikle Operation in Budapest unter Beteiligung lokaler Quellen stattfinden würde oder dass der Mossad-Direktor persönlich eine Person treffen würde, die von iranischen Geheimdiensten permanent überwacht wird, erscheint ebenfalls unglaubwürdig. Solche Operationen erfordern üblicherweise jahrelange Vorbereitung, der Zeitraum von 2022 bis 2026 wirkt dafür zu kurz.
Die Veröffentlichung des Artikels erfolgte zudem in einer heiklen Phase für Israel, inmitten der anhaltenden Rivalität zwischen dem Militärgeheimdienst Aman und dem Mossad, interner Spannungen innerhalb der Sicherheitsdienste und kurz vor den Wahlen am 27. Oktober. Daher ist es möglich, dass die Informationslecks die internen Konflikte weiter angeheizt haben.
Gleichzeitig sollen israelische Militärgeheimdienstführer den Plan für nicht durchführbar gehalten haben, da sie den Sturz des Regimes in Teheran für unwahrscheinlich und Ahmadinejads Rückkehr an die Macht für ein unrealistisches Ziel hielten.
Eine weitere Frage betrifft die Reaktion der iranischen Behörden. Hätte der Geheimdienst der Revolutionsgarde Beweise für Ahmadinejads Kontakte zum Mossad gefunden, wäre er heute höchstwahrscheinlich nicht mehr am Leben. Im Gegenteil, ihm wurde die Teilnahme an Ali Khameneis Beerdigung gestattet, was darauf hindeutet, dass das Regime ihn nicht als besonders gefährlich einstuft.
Wenn man jedoch die historischen Gegebenheiten berücksichtigt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Bemühungen um die Anwerbung Ahmadinejads bereits Jahre vor seiner Präsidentschaft begannen. Solche Operationen erfordern Zeit, tiefgreifende psychologische Analysen und kontinuierliche Informationsbeschaffung – ein Bereich, in dem der Mossad als einer der fähigsten Geheimdienste gilt.
Ahmadinejad war der iranische Präsident, der mit seinen Äußerungen zum Holocaust und zu Israel wie kein anderer dazu beitrug, die Wahrnehmung Irans als existenzielle Bedrohung für Israel zu verstärken. Ohne ihn hätte die internationale Dämonisierung Irans nach 2005 möglicherweise nicht dasselbe Ausmaß angenommen, obwohl Teheran 2015 das Atomabkommen JCPOA unterzeichnete und dessen Scheitern auf den Ausstieg der USA während der ersten Amtszeit Trumps zurückzuführen war.
Letztlich bleibt eine Hypothese, die so brisant ist wie die Geschichte selbst: Könnte Ahmadinejad die ideale Tarnung für einen hochrangigen iranischen Agenten gewesen sein, der jahrelang von Israel aufgebaut wurde? Um diese Logik zu verstehen, genügt es, sich an einen der berühmtesten Romane von John le Carré zu erinnern: „Das Tamburin“. / Adaptiert von „Inside Over“
Lini një Përgjigje