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Rajoni dhe Bota 9 Prill 2026, 12:40

Budapest unter Verdacht: Spielt Orbáns Minister die Rolle von Lawrows Mann im Herzen der EU?

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Budapest unter Verdacht: Spielt Orbáns Minister die Rolle von Lawrows
Sergej Lawrow und Péter Szijjártó /

Eine Recherche von VSquare erhebt schockierende Anschuldigungen gegen Péter Szijjártó: Er soll Moskau während heikler EU-Gespräche informiert, angeboten haben, Dokumente zu übermitteln, und seine Nähe zu Lawrow treibt Ungarn immer näher an den Status eines „Trojanischen Pferdes“ des Kremls in Europa heran…

Eine von VSquare veröffentlichte und von Daily News Hungary rezensierte Untersuchung enthüllte einen der schwerwiegendsten Vorwürfe gegen die ungarische Diplomatie innerhalb der Europäischen Union. Im Zentrum steht der ungarische Außenminister Péter Szijjártó, dem vorgeworfen wird, zwischen 2023 und 2025 zahlreiche Telefonate mit Sergej Lawrow geführt zu haben, selbst in heiklen Phasen der europäischen Entscheidungsfindung zu Ukraine und Moldau. Laut dem Artikel steht er in einem dieser Fälle im Verdacht, die russische Seite über den Stand interner EU-Diskussionen informiert zu haben.

Sollte sich diese Geschichte als vollständig bestätigt erweisen, ginge es nicht mehr nur um ein Ungarn, das Brüssel politisch blockiert, sondern um etwas weitaus Ernsteres: ein EU- und NATO-Mitglied, das im Verdacht steht, als verlängerter Arm des Kremls in den westlichen Institutionen zu fungieren. Dies ist der Kern des Skandals. Nicht der Kontakt zu Lawrow an sich, denn diplomatische Kontakte bestehen. Sondern die mutmaßliche Art dieser Kontakte und der Zeitpunkt, zu dem sie angeblich stattfanden.

Laut VSquare zählt der Europäische Rat vom 14. Dezember 2023 zu den problematischsten Vorfällen. Die EU-Staats- und Regierungschefs erörterten damals die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau. Viktor Orbán drohte mit einem Veto, während Szijjártó in einer Pause angeblich den Raum verließ, um Lawrow anzurufen und ihn über den Verhandlungsfortschritt und den ungarischen Plan zu informieren. Die Untersuchung erwähnt zudem ein Gespräch, in dem Lawrow sich zufrieden mit dem Gehörten zeigte und sogar anmerkte, dass „direkte Erpressung“ manchmal die beste Lösung sei.

Noch brisanter ist der zweite Vorwurf: Lawrow habe Szijjártó um ein Dokument zum Kompromiss über die Aufnahme von Verhandlungen mit der Ukraine gebeten, woraufhin der ungarische Minister umgehend zugesagt habe, es ihm über die ungarische Botschaft in Moskau zukommen zu lassen. VSquare selbst räumt ein, dass der genaue Inhalt des Dokuments unklar sei, während ein hochrangiger EU-Beamter laut der Untersuchung mit „99-prozentiger Sicherheit“ angibt, es habe sich um den Verhandlungsrahmen gehandelt, der zu diesem Zeitpunkt bereits öffentlich war. Ein entscheidender Punkt ist also: Der Vorwurf ist politisch und schwerwiegend, doch die Art des Dokuments lässt Raum für Spekulationen über die tatsächliche Brisanz des angeblichen „Geheimnisses“.

Das Problem beschränkt sich jedoch nicht auf das Dokument. Problematisch ist das Verhalten. Denn laut derselben Untersuchung geht die Beziehung zwischen Szijjártó und Lawrow über den üblichen diplomatischen Rahmen hinaus. VSquare verwendet dabei sehr deutliche Worte und zitiert Quellen aus westlichen Geheimdiensten und der Diplomatie, die diese Beziehung nicht als die zwischen zwei Amtskollegen, sondern als ein Verhältnis politischer und informationeller Unterordnung beschreiben. Dieser Vorwurf ist zwar noch nicht unabhängig von offiziellen Stellen bestätigt, reicht aber aus, um das Misstrauen gegenüber Budapest in europäischen Kreisen deutlich zu machen.

Die Geschichte spitzt sich noch zu, als die Ermittlungen ins Jahr 2024 führen. Laut VSquare rief Szijjártó am Tag von Orbáns Besuch bei Wolodymyr Selenskyj in Kiew erneut Lawrow an, um ihn über den Vorfall zu informieren und sogar zu fragen, ob Wladimir Putin Orbán vor dem NATO-Gipfel empfangen würde. Dem Bericht zufolge sollte der ungarische Ministerpräsident Putin die Folgen des Treffens in Kiew erläutern. Dieser Schritt wurde vor den europäischen Partnern und NATO-Verbündeten geheim gehalten, bis er in den Medien enthüllt wurde. Sollte dies zutreffen, handelt es sich um eine Paralleldiplomatie, die nicht im Interesse der europäischen Einheit, sondern zur Aufrechterhaltung der Sonderlinie Budapest-Moskau geführt wurde.

Dieser Skandal kommt nicht aus dem Nichts. Er fügt sich in das gesamte politische Profil ein, das die Regierung von Viktor Orbán über die Jahre innerhalb der EU aufgebaut hat. Ungarn war im Staatenbund stets die Stimme Russlands, insbesondere in der Ukraine-Frage, in Debatten über Sanktionen, Energie und Erweiterung. Die VSquare-Ermittlungen kommen daher nicht überraschend; sie nähren sich von einem Klima des Misstrauens, in dem viele europäische Partner Budapest seit Langem nicht als schwierigen Akteur, sondern als systematisches Hindernis für die gemeinsamen europäischen Interessen betrachten.

Hier liegt der heikelste Punkt dieser Geschichte. Wenn ein Außenminister eines EU-Mitgliedstaates Moskau während heikler Unionsverhandlungen informiert, geht es nicht mehr nur um Orbán oder Szijjártó. Dann wird die Glaubwürdigkeit des europäischen Mechanismus der Konsultation, Vertraulichkeit und Solidarität infrage gestellt. Anders ausgedrückt: Sollten sich diese Anschuldigungen als wahr erweisen, wird Ungarn nicht länger nur als „Rebell“ innerhalb der EU wahrgenommen, sondern als organisierte politische Strömung zugunsten Russlands.

Selbstverständlich muss hier zwischen Fakt und Interpretation unterschieden werden. Fakt ist, dass Daily News Hungary eine VSquare-Recherche mit schwerwiegenden Anschuldigungen erneut veröffentlicht hat. Fakt ist auch, dass VSquare angibt, diese Behauptungen basierten auf Telefonaufzeichnungen, die von einem Konsortium investigativer Medien beschafft und verifiziert wurden. Gleichzeitig ist jedoch richtig, dass das ungarische Außenministerium laut VSquare eine Anfrage nach einer Stellungnahme zu den Details unbeantwortet ließ und dass es bisher keine unabhängige öffentliche, institutionelle oder gerichtliche Überprüfung der vollständigen Echtheit und der rechtlichen Implikationen dieser Materialien gibt. Politisch ist der Skandal also enorm; juristisch ist er noch ungeklärt.

Doch in der Politik, insbesondere in der europäischen Diplomatie, entsteht der größte Schaden manchmal nicht durch das formale Urteil, sondern durch Zweifel. Und genau diese Zweifel werden durch die vorliegende Untersuchung verstärkt: der Zweifel, ob Budapest nicht länger mit zwei Stühlen, sondern mit zwei Loyalitäten spielt. Einerseits Brüssel, aus formalen Gründen. Andererseits Moskau, aus Eigeninteresse. Sollten Ungarns Partner dies als wahr empfinden, wird es für Orbán und seine Gefolgschaft zunehmend schwieriger, sich als Verteidiger der nationalen Souveränität zu präsentieren. Denn sie werden nicht mehr als Souveränisten, sondern als Mittler fremder Einflüsse innerhalb Europas selbst wahrgenommen werden.

Und hier wird der Skandal größer als Szijjártó selbst. Er betrifft das Orbán-Modell. Ein Modell, das öffentlich als Schutz ungarischer Interessen verkauft wird, dem aber zunehmend vorgeworfen wird, als Blockademechanismus im Dienste einer dem Kreml gelegenen Agenda zu fungieren. Sollte sich herausstellen, dass der ungarische Außenminister tatsächlich Lawrows Informant bei EU-Treffen war, dann haben wir es nicht mehr nur mit einer Reputationskrise für die ungarische Regierung zu tun. Wir haben es mit einer politischen Anklage gegen die gesamte Rolle zu tun, die Orbán sich in Europa aufgebaut hat .

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