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Rajoni dhe Bota19 Prill 2026, 08:36

Wahlen, Bulgarien am Scheideweg; wird in Sofia eine prorussische Regierung eingesetzt?

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Wahlen, Bulgarien am Scheideweg; wird in Sofia eine prorussische Regierung
Rumen Radev

Der ehemalige Kampfpilot Rumen Radev gilt als aussichtsreichster Kandidat. Er gibt sich kremlfreundlich. Doch ihm fehlt vermutlich die Macht, um der neue Orbán der EU zu werden.

Rumen Radev, ein ehemaliger Kampfpilot und vom Warschauer Pakt ausgebildeter Luftwaffengeneral, der von 2016 bis zu seinem Rücktritt im Januar Präsident Bulgariens war, wird voraussichtlich die Parlamentswahlen am Sonntag gewinnen. Umfragen zufolge könnte sein neu gegründetes Bündnis „Fortschrittliches Bulgarien“ mit etwa einem Drittel der Stimmen die stärkste Kraft werden. Radev ist in Umfragen seit Jahren der beliebteste (oder zumindest der am wenigsten unbeliebte) Politiker des Landes.

Dies ist auch deshalb wichtig, weil das Balkanland, seit 2007 EU-Mitglied, nun innerhalb von nur fünf Jahren seine achte Parlamentswahl abhält. Drei Wahlen im Jahr 2021, eine im Jahr 2022, eine im Jahr 2023 und zwei weitere im Jahr 2024 brachten entweder gar keine Regierung oder nur kurzlebige Koalitionen hervor. Seit einem halben Jahrzehnt wird das Land hauptsächlich von Übergangsregierungen regiert, die die Geschäfte bis zur nächsten Wahl führen. Dies könnte sich mit Radevs Einstieg in die aktive Politik zumindest vorübergehend ändern.

Viele Äußerungen erinnern an Wagenknecht oder die AfD.

Radevs zweite und letzte Amtszeit als Präsident sollte im November enden. Sein Rücktritt bestätigte frühere Gerüchte, er wolle Ministerpräsident werden und sich damit in der Parteipolitik engagieren, die er als Präsident zuvor kritisiert hatte. Einige Beobachter äußern jedoch Bedenken hinsichtlich seiner früheren Äußerungen: Könnte der ehemalige MiG-29-Pilot und ehemalige Kommandeur der bulgarischen Luftwaffe zum „neuen Viktor Orbán“ in der EU werden?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Die längere Antwort wäre: Nein, aber. Radev ist in den letzten Jahren durch Äußerungen aufgefallen, die oft als „prorussisch“ bezeichnet werden, obwohl sie im Grunde eine Umschreibung für Positionen darstellen, die Moskaus Imperialismus und Putins Diktatur tolerieren.

Lange vor Moskaus Versuch einer vollständigen Invasion der Ukraine forderte Radev die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland. Viele seiner Aussagen ähneln denen von Sahra Wagenknecht oder der AfD, oder zuvor von Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier: Man müsse den Dialog mit Moskau suchen und der Diplomatie eine Chance geben. Was genau mit Putin besprochen werden soll und zu welchem ​​Zweck, bleibt auch in Radevs Fall unklar.

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Jahr 2017 warnte Radev, dass die EU, die USA und Russland angesichts der wachsenden Bedrohung durch den islamischen Fundamentalismus zusammenstehen müssten. Weder Russlands nachfolgende Kriege noch seine Verbrechen in der Ukraine scheinen – abgesehen von formalen Erklärungen zum Völkerrecht – einen spürbaren Wandel in der öffentlichen Haltung Russlands bewirkt zu haben.

Radev braucht Koalitionspartner

Dies spiegelt sich auch in seiner Medienstrategie wider. Seit seinem Rücktritt hat Radev nur wenige Interviews gegeben. Eines der wenigen war für die Berliner Zeitung, wo er wiederholte: „Wir müssen mit Russland reden, denn ohne Dialog wird die Sicherheitsarchitektur auf Rivalität und einer permanenten Kriegsmentalität beruhen. Wir müssen einen Schritt weitergehen und über Frieden nachdenken.“ Die Frage, wie Putin zu einem Kriegsende bewegt werden könnte, blieb unbeantwortet.

In Bulgarien gab Radev, ähnlich wie der ehemalige Ministerpräsident Bojko Borissow, dem YouTuber Martin Karbowski ein Interview. Karbowski hat rund 260.000 Abonnenten und verbreitet kremlfreundliche Propaganda unter dem Deckmantel der „Alternative“. Titel seiner Sendungen lauten beispielsweise: „Ist Russland wirklich der Feind?“ oder „Die wahre Bedrohung für Bulgarien ist nicht Russland, sondern die EU.“ Zu seinen Gästen zählen vorwiegend EU-Gegner und Russland-Unterstützer, darunter die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Dass Radev für eines seiner wenigen Interviews im Wahlkampf gerade diese Plattform wählte, ist bezeichnend.

Die Befürchtung, Sofia könnte von einem „neuen Orbán“ regiert werden, gilt jedoch als übertrieben. Orbán regiert Ungarn mit einer Zweidrittelmehrheit. Radevs Partei dürfte zwar die stärkste Kraft sein, aber weit von einer absoluten Mehrheit entfernt. Zudem hat er eine Zusammenarbeit mit der zweitstärksten Partei, Borisovs GERB, ausgeschlossen, was die Koalitionsmöglichkeiten einschränkt.

Ein potenzieller Partner könnte eine proeuropäische Kraft sein, die die Ukraine und die Europäische Union eindeutig unterstützt.

Letztendlich spielte die Außenpolitik im Wahlkampf keine zentrale Rolle. Die Wähler beschäftigen sich vor allem mit der Wirtschaft und der Inflation. Laut einer Analyse der FAZ mag prorussische Rhetorik zwar bestimmte Gruppen ansprechen, reicht aber nicht aus, um in Bulgarien Wahlen zu gewinnen. Es bleibt jedoch unklar, wie sich Radev als potenzieller Ministerpräsident im Hinblick auf den Ukraine-Krieg und die EU-Politik positionieren würde. /Bearbeitete Broschüre /

 

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