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Forum14 Qershor 2026, 08:18

Jenseits von Gefängnis und Rücktritt: Albanien braucht dringend eine neue politische Bewegung.

Shkruar nga Lutfi Dervishi

Wenn es bisher am Willen mangelte, Korruption, Klientelismus und Monopole zu bekämpfen, stellt sich heute die Frage: Lässt sich ein neuer politischer Wille schaffen? Ein Modell, in dem Erfolg auf Leistung beruht und der Markt nicht durch Machtprivilegien verzerrt wird.

Jenseits von Gefängnis und Rücktritt: Albanien braucht dringend eine
Zwei Wochen Proteste gegen Rama und Berisha

Jenseits von Abschiebung und Gefängnis!
Straßenprotest und politischer Wandel
1.
Rufe wie „Rama, tritt zurück!“, „Rama ins Gefängnis!“, „Berisha ins Gefängnis!“ sind Ausdruck einer über Jahre angestauten Unzufriedenheit. Sie zeugen von einem tiefen Misstrauen, das über die Macht hinausgeht: Die Bürgerinnen und Bürger vertrauen weder der Opposition noch den Medien, den Wirtschaftseliten oder den akademischen Eliten. Im Grunde wird heute das gesamte System infrage gestellt.
2.
Die Ausbreitung des Protests in die Diaspora verdeutlicht diese Realität noch. Es geht nicht einfach um eine bestimmte Entscheidung oder ein Projekt; es ist eine Revolte gegen ein Entwicklungsmodell, das der Mehrheit keine Chancen bietet. Ein Modell, das jedes Jahr Tausende junger Menschen durch Auswanderung vertreibt und als Mechanismus wahrgenommen wird, der zwar für eine Minderheit gut funktioniert, für den Rest der Gesellschaft aber zum Stillstand gekommen ist.
3.
Was in der Luft liegt, ist der dringende Ruf nach Veränderung. Doch Veränderung darf nicht mit Rache verwechselt werden. Wenn Forderungen nach Gefängnisstrafen in den Ruf nach Selbstjustiz durch die Menge umschlagen, riskieren wir einen Rückfall in die Vergangenheit. Albanien hat einst die Logik verfolgt, den Feind auf dem Platz zu erklären und das Urteil zu fällen, bevor das Gericht überhaupt gesprochen hatte. Wir zahlen seit Jahrzehnten den Preis für die Folgen dieser politischen Kultur und haben so den brutalsten Kommunismus im gesamten kommunistischen Osten hervorgebracht.
4.
Jenseits der klassischen Logik historischer Revolutionen, die alles zusammenbrechen lassen und oft eine neue Willkür hervorbringen, erfordert die Überwindung dieser Krise daher eine tiefgreifende institutionelle Transformation, nicht die Auflösung des Staates. Wahrer radikaler Wandel entsteht nicht durch die Ersetzung von Institutionen durch die Straßen, sondern wenn diese von politischer Einflussnahme befreit werden, das Vertrauen der Bürger gewinnen und die Rechtsstaatlichkeit stärken.
Ein bekanntes Zitat von John F. Kennedy ist leider immer noch aktuell: „Wer eine friedliche Revolution unmöglich macht, macht eine gewaltsame Revolution unausweichlich.“ Genau hier muss der Wendepunkt ansetzen.
5.
Die Mehrheit gibt sich mit einer formalen Erklärung zufrieden, dass „das Recht auf Protest respektiert wird“, zählt die Protestierenden und wartet darauf, dass die Hitze, die Weltmeisterschaft oder die Erschöpfung sie vertreiben. Das ist ebenso naiv wie gefährlich.
6.
Auch die Opposition sieht sich einer klaren Botschaft gegenüber. Jahrelang wurde den Wählern die Wahl zwischen dem einen und dem anderen geboten. Die Protestierenden sagen: Weder noch. Das heißt nicht, dass die Opposition keine realen Probleme angesprochen oder keine scharfen Proteste und Anklagen erhoben hätte. Doch die Proteste der letzten zwei Wochen beweisen, dass ein großer Teil der Bevölkerung sich von den etablierten politischen Akteuren nicht mehr vertreten fühlt. Das erfordert Reflexion, Erneuerung und die Fähigkeit, sich der Situation anzupassen.
If until now there has been a lack of will to fight corruption, clientelism and monopolies, the question that arises today is: can a new political will be created? A model where success depends on meritocracy and where the market is not deformed by the privileges of power.
7.
The big question hanging over the squares is whether this street pressure will remain an amorphous pressure movement, or will it have the courage and maturity to take the form of a new political movement. History teaches us that revolt without organization simply recycles old elites. For this momentum not to be dissipated as the next wave, it must overcome the phase of rejection and return to structure: a new platform, born from below, that does not simply aim to replace names, but to transform the rules of the game and represent that Albania that today does not find itself in any existing logo. Whatever happens, the protest has already changed Albania.
8.
Reflection is also required from the economic elite. The debate is not whether to punish success or capital, but how fair the market is. When the gap between winners and losers widens alarmingly, the system risks imploding. Just as wild communism left its consequences, wild capitalism also has its social costs. Big business (oligarchs) must break away from its dependence on public tenders and political favors, orienting itself towards social responsibility, dignified wage increases and clean competition.
9.
Reflection is also required from universities and academia. In many of the most important public debates, the voice of expertise has been absent or has been weak. A society cannot rely only on politicians and analysts. The country also needs the critical thinking of researchers, professors and academic institutions, to offer scientific solutions to the demographic decline, as well as for electoral, territorial, economic and educational reforms.
10.
Citizens are fed up with the banal and endless debates in the media; they need information, not propaganda; analysis, not labeling. The media must return to its mission: investigation, fact-checking, and keeping power under scrutiny. It cannot be a government mouthpiece, nor a people's court that carries out digital lynchings.
11.
Of course, in every mass protest there is anger and emotions that sometimes go to extremes. But legitimate dissatisfaction cannot justify verbal violence or the lynching of anyone who thinks differently, even journalists identified as defenders of the government. Freedom of expression is the fundamental element that separates a civic protest from anarchy. Lynching is the opposite of peaceful protest.
12.
Veränderung war noch nie einfach; sie erfordert Geduld, Opferbereitschaft und Reife. Doch heute liegt die Hauptverantwortung bei denen, die die Entscheidungen treffen. Die Geschichte lehrt, dass sich große Krisen nicht durch Abwarten lösen. Wird die Botschaft des Protests für Veränderung rechtzeitig verstanden werden, oder verharren wir im Alten und warten darauf, dass der Sturm von selbst vorüberzieht?

*Jenseits von Gefängnis und Rücktritt: Albanien braucht eine neue politische Bewegung – Leitartikel

shqipëria në emergjecë lëvizjeje të re politike

2 Komente

  1. h
    hgfx

    Ja dhe Luti u zgjua nga gjumiiii..tani po kerkon me ngulm qe PD si force "sprovuar"te fuse duart ne taveeee..Po ik o luto se mbete studiove duke na dhe opinionet e tua te dhjera..Ik o Luto se me ca si ti Shqiperia dhe opozita eshte sot ne kete fare derexheje..

    1. V
      Vlora

      Luto gjiza si perher as mish as peshk

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