Von Merz' vier Fingern in Tirana bis zu Ramas zunehmender Nervosität gegenüber Berlin erscheint das Verhältnis zu Deutschland nicht mehr wie ein Missverständnis im Protokoll, sondern wie ein Zeichen einer politischen Abkühlung, die Konsequenzen haben könnte.
Deutschland ist kein Land, über das man sich im Balkan leicht lustig machen kann. Schon gar nicht ein Ministerpräsident, der seine internationale Legitimität jahrelang auf der Annahme aufgebaut hat, er sei für den Westen verständlich, akzeptabel und nützlich. Wenn Berlin lächelt, wird das oft als Unterstützung gewertet. Wenn Berlin schweigt, werden die Konsequenzen kalkuliert. Und wenn Berlin Skepsis zeigt, beginnt eine neue Phase im politischen Spiel.
Genau aus diesem Grund wurde Friedrich Merz' Geste in Tirana, bei der er Edi Rama vier Finger entgegenstreckte, nicht als zufällige Aktion gewertet. Sie wurde vielmehr als Momentaufnahme einer Frage verstanden, die in europäischen Kreisen immer häufiger diskutiert wird: Ist die Machtkonzentration in einer einzigen Hand in Albanien zu normal geworden?
Selbst wenn Diplomaten nicht in langen Sätzen sprechen, kommunizieren sie oft mit Symbolen. Und manchmal sagt eine Geste mehr als eine ganze Erklärung.
Auf dem Papier ist das Verhältnis zwischen Berlin und Tirana nach wie vor korrekt. Das ist die formale Wahrheit. Es wird weder einen offiziellen Bruch noch eine offene Konfrontation geben. Doch die wahre Politik lässt sich nicht allein in Standarderklärungen, protokollarischen Glückwünschen oder der vorsichtigen Sprache der Diplomatie ablesen. Sie zeigt sich im Tonfall, in der Distanz, in der Zurückhaltung, in der Art, wie die Parteien einander aus dem Weg gehen oder wie sie sich zunehmend distanzierter betrachten.
Und hier beginnt das eigentliche Problem für Edi Rama. Denn er ist es gewohnt, die innenpolitische Bühne zu beherrschen, die öffentliche Meinung zu kontrollieren, jede Anschuldigung zu relativieren und jeden Kritiker politisch zu instrumentalisieren. Das hat ihm in Albanien schon mehr als einmal gedient. Doch Deutschland ist weder die albanische Opposition noch ein Fernsehstudio noch eine Stimme, die sich mit Ironie, Witzen oder öffentlicher Nervosität zum Schweigen bringen lässt. Deutschland ist das Schwergewicht Europas. Und wenn es zweifelt, wirkt sich das Zweifel breiter aus – auf das Klima, die Wahrnehmung und früher oder später auch auf die Entscheidungsfindung.
Je mehr Rama versucht, jegliche Kritik von außen als politische Voreingenommenheit gegen ihn darzustellen, desto mehr riskiert er, den wahren Kern seiner Regierung preiszugeben. Denn im Zentrum steht nicht mehr nur die Integration als Schlagwort. Es geht um den Maßstab. Es geht um die Rechtsstaatlichkeit. Es geht um die Qualität der Demokratie. Es geht um die Machtkonzentration. Es geht um das Verhältnis zu Institutionen. Es geht um die Instrumentalisierung Europas als strategisches Ziel oder als propagandistische Kulisse für innenpolitische Zwecke.
If Berlin may once have viewed Tirana with more patience, today it seems to be viewing it with more caution. And that is a big difference. Political patience is comfort. Caution is suspicion. When Germany moves from comfort to suspicion, a more difficult period begins for every government in the Balkans.
It is against this background that we must also read Edi Rama's increased irritation towards the German government, sometimes expressed with subtext, sometimes with more direct language in press conferences and public appearances. He is no longer hiding his annoyance towards a climate that, in all likelihood, no longer seems as friendly to him as before. But herein lies his strategic mistake: when a leader begins to openly argue with an important European center, treating it as an internal opponent, he risks confusing his own public with the real gravity of that clash.
As for sensitive regional issues, such as the case of Hashim Thaçi, it is true that beliefs and perceptions have long been circulating in the Balkans that without the approval, or at least without a silent push from important Western centers, including influential factors in Germany, some processes would not have taken that trajectory. But this must be said with caution: these remain political perceptions circulating in diplomatic channels and not publicly proven facts. It is precisely this distinction that is necessary for anyone who seeks to analyze seriously, without falling into the trap of reckless theses.
However, in our region, perception has its weight. And the perception that is strengthening today is this: Berlin no longer sees Tirana with the same comfort as before. There is more skepticism. More coldness. Less patience with the model of overextended leadership and with the tendency to present any criticism of the government as an attack on Albania.
This is why jokes, irony and the anger of the moment are not enough. You can joke about internal opponents. You can attack analysts, media, institutions, investigations or political opponents. You can produce noise for daily consumption. But there is no joking with the “flour” of Germany. Because Germany does not react with noise. It reacts with memory, with weight, with coolness and with attitudes that give effect not in one day, but in the entire period that follows.
Rama's problem, after all, is not a gesture by Merz in Tirana. His problem is the possibility that a deeper conviction has begun to mature in Berlin: that Albania cannot seriously move towards Europe by normalizing the concentration of power, relativizing criticism, and using integration as a political facade. If this conviction is strengthening, then a more complicated phase is beginning for official Tirana.
Man kann mit Deutschland Meinungsverschiedenheiten haben. Man kann verhandeln. Man kann sogar politisch aneinandergeraten. Aber man kann nicht so tun, als sei Deutschlands Gewicht in Europa eine protokollarische Angelegenheit. Und genau hier scheint Edi Ramas größter Irrtum zu beginnen. / Broschüre
Analia me e mire e bere ndonjehere prej teje, z. Zefi!!! Kudos!!!
Ia paske bere mire komentin Analia. Bravo!
Mirë Sh analiza, por me letyra qe kane gllabrruar cdo gje è me nje multi agjent Ferid Hoxha Minister , do vazhdoje qeveria deri Kur të vdes sulltani