Der Gerichtssaal, in dem Milosevic vor Gericht stand, wurde geschlossen, zusammen mit der Idee, dass es internationale Justiz noch gibt...
Der Saal, in dem Slobodan Milošević einst saß, umgeben von Akten, Kameras und der Hoffnung, dass die Welt endlich ein Zeichen gegen die Barbarei setzen würde, ist verschwunden. Nicht physisch – die Wände stehen noch –, aber symbolisch existiert dieser Saal nicht mehr. Er ist zu einem bürokratischen Raum geworden, einem kalten, geschichtslosen Zimmer, genau wie die gesamte internationale Justiz: ein leeres Büro, das auf Gelder wartet, kein Gericht, das nach der Wahrheit sucht.
Der Prozess gegen Milošević, langwierig, schwierig und voller erdrückender Beweise, fand nie ein Ende. Er starb vor seiner Verurteilung und hinterließ eine Lücke, die niemand füllen konnte. Während die Opfer ohne endgültiges Urteil blieben, begann die internationale Justiz wie ein verlassenes Gebäude zu verfallen. Die Tribunale für Jugoslawien und Ruanda wurden nacheinander geschlossen. Das Tribunal für den Libanon wurde aus Geldmangel eingestellt. Der heute verbliebene Mechanismus ist eine leere Hülle: zahnlos, ohne Autorität, ohne Respekt.
Noch schlimmer ist, dass der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) selbst ins Visier jener Staaten geraten ist, die ihn eigentlich unterstützen sollten. Die USA haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Italien liefert Personen an Länder aus, in denen sie gefährdet sind. Ungarn ignoriert Haftbefehle gegen Netanjahu. Putin und andere angeklagte Staatschefs bleiben auf freiem Fuß. Gleichzeitig sieht sich der Präsident des IStGH selbst mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs konfrontiert. Welche Gerechtigkeit kann die Welt von einer Institution erwarten, die nicht einmal ihre eigenen Probleme lösen kann?
Die Schließung des Gerichtsgebäudes von Milošević markiert nicht einfach das Ende einer Ära; sie ist ein stillschweigendes Eingeständnis der Vergebung für all die Verbrechen, die mit Entschlossenheit hätten geahndet werden müssen. Es ist die Zerstörung eines moralischen Denkmals, ein klares Zeichen dafür, dass die internationale Kriminalität Den Haag heute nicht mehr fürchtet, sondern ihn verhöhnt. All dies geschah nicht aus Versehen, sondern aus Erschöpfung, Angst und politischem Taktieren der Großmächte, die die internationale Justiz heute als diplomatisches Korsett und nicht mehr als Mittel der Bestrafung missbrauchen.
Die Halle war geschlossen. Doch was dort begraben lag, war nicht nur ein Prozess, sondern die Idee selbst, dass die Welt gerecht sein könnte. Der Tempel ist gefallen! / Broschüre
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