VIPs als Köder: Das Callcenter-Betrugssystem in Tirana, das europäische Bürger erpresste
Im Zuge der Operation gegen Callcenter, die vor wenigen Tagen in Tirana stattfand, werden weiterhin neue Details bekannt. Europol und Eurojust veröffentlichten heute Fotos der Gebäude und der Geldsäcke und zeigten gleichzeitig die Funktionsweise des Netzwerks.
Die österreichischen Medien gingen derweil noch einen Schritt weiter und zeigten, dass die Gruppe so raffiniert vorging, dass sie sogar das Bild oder die Namen einer Reihe bekannter lokaler Persönlichkeiten nutzte, um die öffentliche Meinung zu manipulieren.
Laut Di Presse gab es 2023 einen sprunghaften Anstieg von Betrugsanzeigen. Der Schaden beläuft sich auf mindestens 50 Millionen Euro, die Ermittler gehen jedoch von einer deutlich höheren Summe aus. Bei den Betrügereien wurden die Identitäten bekannter Persönlichkeiten missbraucht, darunter der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen sowie die Moderatoren Armin Wolf und Nadja Bernhard.
Das in Tirana operierende Netzwerk erstellte mithilfe künstlicher Intelligenz Videos unter Verwendung ihrer Bilder, um Investitionen in betrügerische Börsen zu bewerben.
Außerdem wurden Videos mit Bildern des österreichischen Bundeskanzlers Karl Nehammer, des Fußballers David Alaba, des ehemaligen Skistars Hermann Maier, der TV-Moderatoren Armin Assinger und Mirjam Weichselbraun sowie des Kabarettisten und Moderators „Willkommen Österreich“, Christoph Grissemann, verwendet.
Es wurden also Videos erstellt, die den Eindruck erweckten, die oben genannten Personen hätten in dieses Netzwerk investiert und gewonnen. Die Videos wurden in sozialen Netzwerken beworben, waren aber in Wirklichkeit Manipulationen.
Schema
Die Opfer wurden durch betrügerische Werbung in sozialen Medien oder über Suchmaschinen auf scheinbar seriöse Online-Investitionsplattformen gelockt, angelockt durch das Versprechen lukrativer Anlagen. Nach der Registrierung bei diesen gefälschten Online-Brokern wurden ihnen sogenannte „Holding Agents“ zugeteilt, die sich als Anlageberater oder Broker ausgaben.
Diese Agenten verwalteten die Konten der Opfer über lange Zeiträume und nutzten dabei häufig Fernzugriffssoftware, um die vollständige Kontrolle über die elektronischen Geräte der Opfer zu erlangen. Die Betrüger gaben sich als Experten aus und setzten die Opfer unter psychologischen Druck, um sie zu weiteren Investitionen zu bewegen, indem sie ihnen fälschlicherweise Gewinne vorgaukelten. In Wirklichkeit wurden die Gelder nie investiert, sondern in ein komplexes internationales Geldwäschesystem geschleust und verschwanden schließlich in den Händen der kriminellen Organisation. / Broschüre
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