
In dem Film „Wag the Dog“, einer politischen Satire mit Dustin Hoffman und Robert De Niro in den Hauptrollen, erfindet der amerikanische Präsident einen fingierten Krieg in Albanien, um die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit von seinen persönlichen Problemen abzulenken.
Wladimir Putin, der in Schwierigkeiten verstrickt ist, die ihn und Russland selbst betreffen, tut das Gegenteil. Da er keinen Krieg erfinden kann – der existiert, andauert und für russische Soldaten immer tödlicher wird –, erfindet er einen Ort, um eine weitere Lüge zu verbreiten.
In einem Interview mit dem staatlichen Fernsehsender Vesti erklärte der russische Präsident, dass rund 5.000 ukrainische Soldaten am Fluss Stary Oskol kurz davor stünden, von russischen Streitkräften eingekesselt zu werden.
„Sie sind am linken Ufer eingeschlossen“, sagte Putin und fügte hinzu, dass die 144. Division die letzte Phase der Belagerung von Rubtsy, einem Dorf mit etwa 350 Einwohnern in der Region Donezk, eingeleitet habe.
Allerdings gibt es laut dem Autor ein großes Problem mit dieser Version: Der Fluss Stary Oskol existiert nicht.
Auf der Karte der Ukraine bezeichnet Stary Oskol keinen Fluss, sondern ein Dorf in der russischen Region Belgorod. Zwar gibt es einen Fluss namens Oskol, dieser fließt jedoch durch die Region Charkiw, was Putins Aussage noch zweideutiger macht.
Darüber hinaus hat das Institute for the Study of War (ISW) erklärt, dass es keinerlei Anzeichen dafür gebe, dass russische Streitkräfte kurz davor stünden, ukrainische Einheiten im Raum Charkiw einzukesseln, geschweige denn in der Nähe des Flusses Oskol.
Laut dem Autor deutet dies auf eine neue Phase in Putins Rhetorik hin: nicht mehr auf traditionelle Propaganda, sondern auf das, was der Historiker Ian Garner als „Slopaganda“ bezeichnet, einen Strom widersprüchlicher, ungenauer oder falscher Erzählungen, die im Laufe der Zeit den Status der Wahrheit annehmen.
Der Autor erinnert auch an den russischen Schriftsteller Joseph Brodsky, der Mitte des 19. Jahrhunderts schrieb, dass die russische Literatur, „auf der Suche nach der Realität, diese schließlich auch erreichte“. Mehr als anderthalb Jahrhunderte später, so argumentiert die Analyse, sei Putins Literatur keine Literatur, sondern eine Erzählung, die die Realität ersetzt und aufgrund des Krieges tödliche Folgen nach sich zieht.
Tatsächlich, so der Autor, könnte Wladimir Putin selbst, isoliert in der Kreml-„Blase“ und überzeugt vom nahenden Sieg, diese Erzählung als Erster glauben. (Adaptiert aus „Corriere della Sera“)
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