Der neue Kalte Krieg im Südosten: Spannungen zwischen der Türkei und der Achse Tel Aviv–Abu Dhabi spalten die geopolitische Landkarte von der Levante bis nach Afrika.
Über der geopolitischen Landkarte, die den Nahen Osten, die Arabische Halbinsel, das Rote Meer und Ostafrika umfasst, entfaltet sich ein fragiles Netz.
Im Zentrum dieses neuen strategischen Spiels steht eine klare Rivalität zwischen der Türkei und der neu gefestigten Achse Israel-Vereinigte Arabische Emirate.
Ankaras geostrategische Ambitionen kollidieren zunehmend offen mit Tel Avivs regionaler Einflussnahme und Abu Dhabis politischer und militärischer Stärkung. In diesem Kontext ist die Eindämmung des türkischen Einflusses zu einem gemeinsamen Ziel geworden, das gleichzeitig darauf abzielt, die Einflussnetzwerke Katars und – langfristig – Saudi-Arabiens selbst zu kontrollieren.
2025, das Jahr, in dem die Rivalität systemisch wurde
Das Jahr 2025 markierte den Beginn dieses geopolitischen Konflikts, der nicht länger sporadisch, sondern strukturell und systemisch ist. Für 2026 wird eine Konsolidierung dieses Trends erwartet, wobei die Konfliktzentren Gebiete betreffen, die für Handelsbeziehungen, Energieinfrastruktur, nationale Sicherheit und den Zugang zu interkontinentalen geostrategischen Korridoren von entscheidender Bedeutung sind.
Die Türkei versucht, ihren Einfluss durch eine verstärkte Kontrolle im Syrien nach Assad, das nun unter der Führung der Regierung von Ahmad al-Sharaa steht, auszuweiten. Der Konflikt mit Israel findet direkt an der syrischen Front und indirekt im maritimen Raum statt, wo Zypern weiterhin ein Spannungsherd ist: Der von Ankara kontrollierte Norden stellt den international anerkannten Süden vor Herausforderung, der seine Bündnisse mit Griechenland und Israel stärkt, um sich vor türkischem Machtstreben zu schützen.
Rahmenkonzept: Afrika und der Golf
Israel hat seinerseits eine neue Front in Somaliland eröffnet, im Herzen des Horns von Afrika, einer Region, in der die Türkei seit Langem dem Einfluss der Emirate in Somalia ausgesetzt ist. Obwohl die Emirate die israelische Anerkennung der Unabhängigkeit Somalilands verurteilt haben, unterhalten sie seit Jahren enge Beziehungen zur Regierung in Hargeisa und unterstützen gleichzeitig die separatistische STC-Bewegung im Jemen nachdrücklich – ein offener Konflikt mit den saudischen und türkischen Interessen an einem Gleichgewicht gegenüber dem Iran.
Im Sudan ist der Konflikt noch direkter. Die Türkei unterstützt das Militärregime von Abdel Fattah al-Burhan, während die Emirate die RSF-Rebellen finanzieren und bewaffnen – ein Stellvertreterkrieg, der in Darfur schwerwiegende humanitäre und ethnische Folgen nach sich gezogen hat.
Meinungsverschiedenheit, aber keine Trennung
Trotz der Konflikte an vielen Fronten wird es vorerst nicht zu einer vollständigen Konfrontation kommen. Die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate haben versucht, die geopolitische Konkurrenz von den bilateralen Beziehungen zu trennen und gleichzeitig den wirtschaftlichen und diplomatischen Austausch aufrechtzuerhalten. Die Achse Tel Aviv-Abu Dhabi, die sich nach den Abraham-Abkommen (2020) gefestigt hat, geriet hingegen in der Palästinafrage in Konflikt. Die hitzige türkisch-israelische Rivalität wird jedoch teilweise durch das gemeinsame Bündnis mit den USA und den indirekten Einfluss Aserbaidschans ausgeglichen, einem Akteur, der mal als Kommunikationsbrücke, mal als Pulverfass fungiert.
Symbolische Botschaften am Vorabend eines großen Spiels
Es ist kein Zufall, dass die Staatschefs Sudans und Somalias dieses Jahr Präsident Erdoğan besuchten und damit ein symbolisches Signal an die Emirate und Israel zur Unterstützung der territorialen Integrität von Ankaras Verbündeten sendeten – einer Integrität, die die Türkei selbst für Zypern nicht anerkennt. Gleichzeitig besuchten der zypriotische Präsident und der griechische Ministerpräsident kürzlich Jerusalem, um die Energie- (EastMed) und Militärkooperation mit Israel zu stärken, während der emiratische Präsident am 14. Dezember auch Nikosia besuchte.
Dies sind Züge und Gegenzüge in einem großen Schachspiel, in dem die Auseinandersetzungen regional, die Ziele aber global sind. Im Zentrum des Kampfes steht die Frage: Werden die von der Türkei geförderten transmediterranen Verbindungsnetze oder das von Israel und den Emiraten vorangetriebene indo-mediterrane Projekt (IMEC) triumphieren?
Damit ist entschieden, wer die Kontrolle über den Zugang zum Roten Meer, dem strategischen Knotenpunkt des Welthandels und dem Zugang zu Afrika als neuer geopolitischer und wirtschaftlicher Grenze der Welt, erlangen wird. / Adaptiert aus „Pamphlet“ von „Inside Over“
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