Während in Ungarn Wahlen stattfinden, deckt ein defekter Kreisverkehr Korruption und Misswirtschaft mit EU-Geldern während der Herrschaft von Viktor Orbán auf.
Am Stadtrand von Zalaegerszeg in Westungarn weist ein Schild auf den Bau eines Kreisverkehrs hin, der mit rund 500 Millionen Forint (etwa 1,5 Millionen US-Dollar) aus EU-Mitteln finanziert wird. Das Projekt soll als Containerterminal dienen und Teil einer neuen Eisenbahnlinie sein, die die Handelsverbindungen der Region zur Adria und weiter nach Mitteleuropa verbessern soll.
Doch Jahre nach Fertigstellung des Kreisverkehrs existiert die Bahnstrecke immer noch nicht. Die Infrastruktur liegt ungenutzt auf einem Feld und wartet auf den Bau des Projekts, das ihr eine Funktion verleihen würde.
Der Fall ist zum Symbol der Debatte über die Verwendung von EU-Geldern in Ungarn unter Ministerpräsident Viktor Orbán geworden. Kritiker argumentieren, dass solche Projekte ein Wirtschaftsmodell widerspiegeln, das auf Investitionen beruht, die nicht immer greifbare Vorteile bringen, während die Regierung von hohen Summen europäischer Fördermittel profitiert hat.
Offiziellen Angaben zufolge hat die Europäische Union im Haushaltszeitraum 2014–2020 rund 52.000 Projekte in Ungarn finanziert. Diese Mittel sollten den weniger entwickelten Ländern des Blocks helfen, zu den westeuropäischen Standards aufzuschließen.
Experten und Antikorruptionsorganisationen bezweifeln jedoch die Effektivität dieser Investitionen. István János Tóth, Direktor des Budapester Zentrums für Korruptionsforschung, bezeichnet das Kreisverkehrprojekt als „weißen Elefanten“, eine kostspielige Investition mit geringem oder gar keinem praktischen Nutzen.
Transparency International stuft Ungarn als das korrupteste Land der Europäischen Union ein, während die ungarischen Behörden diese Anschuldigungen zurückweisen und ihren Gegnern oft vorwerfen, das Thema zu politisieren.
Inzwischen wurde in den Medien über andere ähnliche Projekte berichtet, darunter touristische Bauwerke ohne wirklichen Nutzen, wie etwa Aussichtsplattformen in waldlosen Gebieten oder symbolische Türme mit begrenzter Funktion.
Die Situation wird durch die angespannten Beziehungen zu Brüssel zusätzlich verkompliziert. Seit 2022 hat die Europäische Kommission aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Rechtsstaatlichkeit und der Unabhängigkeit der Justiz rund 18 Milliarden Euro an Fördermitteln für Ungarn blockiert. Dieser Betrag entspricht etwa 10 % des ungarischen Bruttoinlandsprodukts.
Die Frage der europäischen Fördermittel ist zu einem zentralen Thema im Wahlkampf geworden. Die Opposition unter Führung von Péter Magyar verspricht Reformen, um die Gelder freizugeben und die Korruption zu bekämpfen, und wirft der Regierung den Missbrauch öffentlicher Gelder vor.
Viktor Orbán und seine Verbündeten hingegen werfen der Europäischen Union Einmischung in die ungarische Innenpolitik vor und bringen die Blockierung von Geldern mit politischem Druck in Verbindung.
In Zalaegerszeg wird das Bahnprojekt, das den Kreisverkehr rechtfertigen würde, frühestens 2029 fertiggestellt sein. Bis dahin bleibt die Infrastruktur ein Symbol für die breitere Debatte über die Verwaltung europäischer Fördermittel und deren tatsächliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. / Adaptiert von „CNN“
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