Die Ermittler decken ein weitverzweigtes Netzwerk von Bestechungsgeldern im Energie- und Verteidigungssektor auf, in dessen Zentrum ehemalige Mitarbeiter und Freunde des ukrainischen Präsidenten stehen.
Eine der größten Antikorruptionsuntersuchungen in der Ukraine seit Kriegsbeginn hat die Machtstrukturen in Kiew erschüttert, darunter auch Namen, die direkt mit dem inneren Kreis von Präsident Wolodymyr Selenskyj in Verbindung stehen.
Ermittler des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) und der Sonderstaatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung (SAPO) haben im Rahmen der Operation „Midas“ nach über 15 Monaten Ermittlungen mehr als 70 Inspektionen durchgeführt. Laut Quellen aus dem Umfeld der Ermittlungen umfasst das aufgedeckte Netzwerk hochrangige Beamte aus dem Energie- und Verteidigungssektor, denen Geldwäsche, Veruntreuung staatlicher Gelder und unrechtmäßige Bereicherung vorgeworfen werden.
Im Zentrum der Ermittlungen stehen der amtierende Justizminister Herman Halushchenko, der zuvor das Energieministerium leitete, sowie der Geschäftsmann Timur Mindich, Miteigentümer des bekannten Studios Kvartal 95, jener Firma, die Selenskyj selbst auf die Bühne brachte, bevor er in die Politik ging.
Durchsuchungen in Halushchenkos Wohnung und den Büros des staatlichen Unternehmens Energoatom, das die ukrainischen Atomkraftwerke betreibt, führten zur Beschlagnahme von Dokumenten und elektronischen Geräten im Zusammenhang mit wichtigen Energieausschreibungen. Mindich wird verdächtigt, die Ukraine vor einigen Wochen verlassen zu haben und sich derzeit in Österreich aufzuhalten.
Die Ermittlungen konzentrieren sich auf ein weitverbreitetes Bestechungssystem, in dem private Unternehmen, die mit der Lieferung von Energie- und Rüstungsgütern beauftragt waren, angeblich bis zu 15 % des Auftragswerts zahlten, um öffentliche Ausschreibungen zu gewinnen. Dieses umfassende Korruptionssystem, das durch Netzwerke von Mittelsmännern und ehemaligen Energoatom-Beamten aufgebaut wurde, soll jahrelang bestanden haben und direkte Verbindungen zu hochrangigen Politikern unterhalten haben.
Für Selenskyj, der seinen internationalen Ruf auf seinem Kampf gegen die Korruption aufgebaut hat, ist dies ein schwerer politischer Schlag. Die Ermittlungen betreffen nicht nur Mitglieder der aktuellen Regierung, sondern auch ehemalige Weggefährten aus seiner Zeit als Chef der Unterhaltungs- und Fernsehbranche. Mindichs Verbindungen zu dem berüchtigten Oligarchen Ihor Kolomoisky, gegen den ebenfalls wegen Finanzbetrugs ermittelt wird, verstärken den Verdacht, dass ein Teil des Wirtschaftsnetzwerks, das Selenskyjs Aufstieg zur Macht finanzierte, nun in Skandale um Staatsgelder verwickelt ist.
In Kiew sprechen Kommentatoren von einer „zweiten Korruptionswelle“, die die institutionelle Säuberung des Landes behindert. Obwohl der Präsident offiziell die „volle Zusammenarbeit mit der Justiz“ angeordnet hat, fordert die Opposition eine parlamentarische Untersuchung, um zu klären, ob dem Präsidenten nahestehende Strukturen in den Jahren 2022 bis 2024 in Ausschreibungen des Energiesektors eingegriffen haben.
In diesem angespannten Klima gilt die Operation Midas als wichtige Bewährungsprobe für das internationale Ansehen der Ukraine, insbesondere zu einem Zeitpunkt, an dem das Land neue Finanzmittel von der Europäischen Union und den USA anstrebt. Für viele westliche Beobachter bleibt die Korruption die „gefährlichste Waffe“, die Selenskyjs Reformprojekt von innen heraus untergräbt. / Broschüre
Korrupsioni i sllaveve ka qene, eshte e do te jete i pamatshem. Mbajini larga nga trojet se te bejne baterdine.