
US-Präsident Donald Trump setzt die Europäer mit seinen angedrohten Zöllen unter Druck. Es fällt ihnen schwer, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Dabei gäbe es eine wirksame und kostengünstige Antwort…
Mit seinen ständigen Drohungen mit Zöllen destabilisiert US-Präsident Donald Trump die Weltwirtschaft. Und er belastet die Beziehungen zwischen den langjährigen Verbündeten Europa und den USA unnötig.
Sind amerikanische Wirtschaftsführer bereit, für Trumps Ruhm zu bezahlen?
Beides sind nun unbestreitbare Tatsachen. Aber wie bringt man Trump dazu, das einzusehen?
Ein vielversprechender Ansatz hat sich herauskristallisiert: Europäer sollten sich mit der amerikanischen Wirtschaft zusammenschließen und in den USA beharrlich gegen noch höhere Zölle kämpfen. In den USA gibt es genügend PR-Profis, die genau das tun können.
Aus europäischer Sicht ist es schwer vorstellbar, dass Trumps jüngstes politisches Vorgehen im besten Interesse amerikanischer Wirtschaftsführer liegt. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Vor anderthalb Wochen drohte Trump acht europäischen Ländern mit zusätzlichen Zöllen von 10 Prozent, sollten sie seinen Vorschlag zur Annexion Grönlands ablehnen. Darunter befand sich auch die Wirtschaftsmacht Deutschland.
Viele europäische Waren unterliegen in den USA bereits einem Zoll von 15 Prozent. Versetzen wir uns nun in die Lage amerikanischer Unternehmer und nehmen wir ihre Perspektive ein: Es gibt wahrscheinlich unzählige von ihnen, die beispielsweise auf Vorprodukte aus Deutschland angewiesen sind.
Unternehmen müssten 25 Prozent Zoll auf diese Waren zahlen, wenn Trump seine Drohung, ab dem 1. Februar Zölle einzuführen, wahr gemacht hätte. Und das alles für ein Projekt, das der US-Präsident scheinbar obsessiv verfolgt: den Erwerb Grönlands. Amerikanische Geschäftsleute mögen zwar Patrioten sein, aber sie werden nicht für Trumps Ruhm aufkommen wollen.
Darüber hinaus hätte dies zu einem administrativen Chaos geführt. Zwar hätte Trumps Zoll nur für sechs EU-Länder gegolten, doch enthalten europäische Industriegüter häufig Komponenten aus mehreren EU-Mitgliedstaaten. Daher hätte der Endhersteller die Herkunft der Zwischenprodukte genau nachweisen müssen. Je nach den Umständen wäre ein Zoll von 15 oder in einigen Fällen 25 Prozent erhoben worden.
Ein entsprechender Nachweis würde die Zollbürokratie weiter verkomplizieren. Gleichzeitig beklagen sich Unternehmen bereits über die Schwierigkeiten beim Handel mit den USA.
Die Europäer werden niemals Trumps Einfluss haben.
Die Europäer drohen den USA mit Gegenmaßnahmen, sollte Trump neue Einfuhrzölle erheben oder gar Grönlands Selbstbestimmungsrecht verletzen, trotz der anfänglichen Rückgabe. Ob es sich dabei nur um Rhetorik handelt oder ob die Europäer es ernst meinen, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.
Im Fall Grönlands meinen sie es aber vermutlich ernst. Der Kern des Problems für die EU liegt jedoch darin, dass mindestens 15 der 27 Mitgliedstaaten Gegenmaßnahmen zustimmen müssten. Diese Maßnahmen müssten den USA im Falle eines Konflikts schaden, ohne die Europäer zu sehr zu beeinträchtigen.
Auch europäische Unternehmen litten beispielsweise unter Vergeltungszöllen. Es wäre grob fahrlässig, wenn europäische Pensionsfonds US-Staatsanleihen verkauften, um Amerikanern zu schaden. Diese Idee wird zwar diskutiert, würde aber das Finanzsystem destabilisieren.
Der Staatenbund muss daher seine Optionen abwägen und ist deshalb nicht so stark, wie er es gerne wäre. Jeder Mitgliedstaat achtet sorgsam darauf, nicht unverhältnismäßig stark von einem Wirtschaftskonflikt mit den USA betroffen zu werden.
Die EU-Kommission kann in einem Handelsstreit nicht willkürlich entscheiden. Und deshalb ist sie nicht so effektiv wie Trump.
Andererseits kostet die Suche nach Verbündeten in der amerikanischen Wirtschaft nichts. Für den gemeinsamen Kampf gegen die Zölle gibt es zudem ein Motto, das den Amerikanern aus der Innenpolitik einigermaßen vertraut ist: „Es geht um die Wirtschaft, Donald!“. /Adaptiert von NZZ /
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