Unter den großen europäischen Ländern scheint derzeit keines diesem Prozess gegenüber aufgeschlossener zu sein als Spanien...
Der Gipfel zwischen Xi Jinping und Donald Trump in Peking birgt die Gefahr paradoxer Folgen für Europa. Je stärker Washington angesichts der industriellen Überkapazitäten Chinas den Markt verengt, desto mehr Interesse zeigt Peking daran, seine Produktionspräsenz direkt in der Europäischen Union zu stärken. Und unter den großen europäischen Ländern scheint derzeit keines diesem Prozess gegenüber aufgeschlossener zu sein als Spanien.
Das Thema ist in den letzten Wochen, auch in der amerikanischen Debatte, wieder in den Vordergrund gerückt. Es besteht die Gefahr, dass die harten Maßnahmen der USA gegen chinesische Elektroautos Europa letztlich zu Chinas wichtigstem Industriezentrum machen. Diese Dynamik betrifft zwar hauptsächlich die Produktion von Elektrofahrzeugen, Batterien und grüne Lieferketten, hat aber weitreichendere Folgen: technologische Abhängigkeit, wirtschaftlichen Einfluss und strategische Marktdurchdringung.
In diesem Kontext nimmt Spanien eine zunehmend zentrale und kontroverse Rolle ein. China versucht seit Jahren, über das 17+1-Format politischen Einfluss innerhalb der Europäischen Union auszubauen, wobei der Fokus hauptsächlich auf Mittel- und Osteuropa liegt. Dieses Projekt ist weitgehend gescheitert. Infolge der Pandemie, des Ukraine-Krieges und der Verschärfung der geopolitischen Konfrontation haben viele osteuropäische Länder ihre Begeisterung für Peking drastisch reduziert. Die baltischen Staaten sind aus dem Format ausgetreten, das politische Klima in Europa ist deutlich atlantischer geworden, und Chinas Handlungsspielraum hat sich verringert. Das relative Scheitern des 17+1-Formats bedeutet jedoch nicht, dass Peking die Ausnutzung der internen Differenzen Europas aufgegeben hat. Es hat lediglich seine Strategie geändert.
Die neue Hebelwirkung ist nicht mehr primär diplomatischer, sondern industrieller Natur. China sucht nicht mehr nur nach politisch wohlgesonnenen Gesprächspartnern, sondern nach Ländern, die bereit sind, chinesisches Kapital, Produktionsanlagen, Lieferketten und technologische Präsenz im europäischen Binnenmarkt zu integrieren. Und hier kommt Spanien ins Spiel. In den letzten Jahren hat die Regierung von Pedro Sánchez eine deutlich offenere Haltung gegenüber China eingenommen als andere große europäische Volkswirtschaften. Madrid hat seine Kontakte zu Peking intensiviert, Industriepartnerschaften im grünen Sektor gefördert und chinesische Investitionen in strategischen Sektoren wie Batterien, Elektroautos und Logistik begrüßt. CATL, Chery, Leapmotor: Die Liste chinesischer Konzerne, die in Spanien investieren oder dort eine Produktion planen, wächst stetig. Die Logik ist klar: Während die USA ein zunehmend feindseliger Markt werden, bleibt Europa der wichtigste westliche Markt für die chinesische Industrie. Und die direkte Produktion innerhalb der Europäischen Union ermöglicht es ihr, Zölle, Handelsspannungen und geopolitischen Druck zu umgehen.
Spanien bietet genau das, was Peking sucht: vergleichsweise wettbewerbsfähige Kosten, den Bedarf an Reindustrialisierung und eine Regierung, die ausländische Investitionen im Rahmen der grünen Transformation politisch unterstützt. Das Problem ist, dass diese Offenheit Dimensionen annimmt, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch strategische Fragen aufwerfen.
Der wohl exemplarischste Fall ist die Gigafactory von CATL-Stellantis in Aragonien. In den letzten Wochen berichtete die spanische Presse über ein Thema, das außerhalb Spaniens weit weniger Beachtung fand, als es verdient: die erwartete Ankunft von rund 2.200 chinesischen Arbeitskräften zur Unterstützung des Industrieprojekts. Für eine kleine Region nahe Saragossa bedeutet dies einen erheblichen Einfluss, beinahe eine unerwartete demografische Transformation, die direkt mit einer chinesischen Investition zusammenhängt. Doch der politisch wichtigste Faktor ist ein anderer: die hohe operative und technologische Abhängigkeit dieser Projekte. Denn die Einfuhr chinesischer Arbeitskräfte in solch großer Zahl signalisiert, dass es sich hier nicht einfach um ausländisches Kapital handelt, das sich in ein europäisches Ökosystem integriert. Peking exportiert ganze Bereiche seiner Industriestruktur: Management, Know-how, Lieferketten und Fachkräfte. Genau dies ist der Punkt, der in Brüssel und mehreren europäischen Hauptstädten wachsende Besorgnis auslöst.
Es geht nicht nur um Handel. Es geht um die Kontrolle der industriellen Lieferketten der europäischen Energiewende. China verfügt derzeit über einen strukturellen Vorsprung bei Batterien, der Raffination kritischer Rohstoffe und der Produktion von Elektrofahrzeugen. Sollte sich dieser Vorteil nicht nur in Exporten, sondern auch in Produktionsstätten in Europa niederschlagen, besteht die Gefahr, dass der Kontinent neue strategische Abhängigkeiten entwickelt, während er versucht, bestehende abzubauen – von Russland im Gassektor bis hin zu den Vereinigten Staaten im Sicherheitsbereich.
Hier spaltet sich die europäische Debatte zunehmend. Auf der einen Seite stehen Frankreich und Teile der Europäischen Kommission, die Chinas industrielle Überkapazitäten als strategisches Risiko betrachten und aggressivere protektionistische Maßnahmen fordern. Auf der anderen Seite stehen Entwicklungsländer, die eine stärkere industrielle Integration mit China für unvermeidlich oder sogar wünschenswert halten, insbesondere um den Energiewandel kostengünstiger zu gestalten. Spanien ordnet sich zunehmend dieser zweiten Gruppe zu.
Das bedeutet nicht, dass Madrid im ungarischen Sinne zu einem geopolitischen Verbündeten Pekings geworden ist. Spanien bleibt uneingeschränkt Teil des euro-atlantischen Raums, unterstützt gemeinsame europäische Positionen und hat nicht die für das Orbán-Modell charakteristische ideologische Beziehung zu China entwickelt. Doch gerade dieser Unterschied birgt die Gefahr, dem spanischen Fall noch mehr Bedeutung zu verleihen.
Denn es geht nicht um das Entstehen offen chinafreundlicher Regierungen innerhalb der Union. Es geht vielmehr um die Normalisierung der wachsenden industriellen Abhängigkeit von China in den großen europäischen Volkswirtschaften, die als reiner wirtschaftlicher Pragmatismus dargestellt wird. In diesem Sinne könnte Spanien zu etwas Raffinierterem als einem politischen Trojanischen Pferd werden. Es könnte sich zu einem Labor für die industrielle Durchdringung durch China entwickeln, die viel schwerer zu bekämpfen ist, da sie in Europas tiefgreifenden grünen Wandel eingebettet ist.
Und darin liegt vielleicht die eigentliche strategische Bedeutung des Xi-Trump-Gipfels. Je stärker sich der Konflikt zwischen Washington und Peking verschärft, desto mehr läuft Europa Gefahr, zum Spielfeld zu werden, auf dem China seine industrielle Präsenz in der westlichen Welt indirekt ausbaut. Und heute, mehr als in jedem anderen großen europäischen Land, wird diese Dynamik in Spanien deutlich. / Adaptiert von „Pamphlet“ von „Linkiesta“
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