
Tom Barrack stürzt das Imperium: Regimewechsel funktionieren nicht.
Wer eine leicht verständliche Version der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten sucht, muss nicht das lange Dokument in Washington lesen. Es genügt, den letzten Worten von Thomas „Tom“ Barrack zuzuhören, dem US-Botschafter in der Türkei und Donald Trumps Sondergesandten für Syrien – einem einflussreichen Geschäftsmann, persönlichen Freund Trumps und finanziellen Retter von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des Präsidenten.
Barrack ist nicht nur einer der Millionäre in Trumps Umfeld. Er ist auch ein langjähriger Kenner der arabischen Welt und der Petromonarchien am Persischen Golf, wo er durch Investitionen Milliarden verdient hat. Doch kürzlich hat er sich entschlossen, offen und ohne Umschweife zu sprechen: „ Regimewechsel haben noch nie funktioniert. Seit 1946 haben die USA 93 Mal interveniert, um Regierungen zu stürzen – alle Versuche sind gescheitert .“
Barracks Aussage ist kein Versprecher. Sie deckt sich genau mit der strategischen Neuausrichtung Washingtons: dem Ende kostspieliger und fruchtloser Militärabenteuer und dem Beginn einer neuen Ära wirtschaftlicher und geopolitischer Abkommen. Die Amerikaner sind nicht länger bereit, wie „Cowboys“ in jede regionale Krise einzugreifen. Wenn sie intervenieren, dann nur, um ihre Interessen, ihre Energie, ihre Technologie und ihren wirtschaftlichen Einfluss zu schützen.
Dies erklärt auch Donald Trumps „Liebe“ zu Friedensverträgen: die Vermittlung zwischen Aserbaidschan und Armenien (wobei die USA für 100 Jahre die Kontrolle über den strategisch wichtigen Sangesur-Korridor übernahmen), die Friedensinitiative zwischen Indien und Pakistan (mit Interesse am Handel mit China) und der Versuch, die Führer des Kongo und Ruandas an einen Tisch zu bringen, der mit wertvollen Mineralien bedeckt war.
Diese neue Ausrichtung teilt die Welt in zwei Lager: Mit den kleinen Ländern spricht Amerika die Sprache der Wirtschaft und des Dollars. Mit den großen, wie Russland und China, die Sprache der hohen Diplomatie und der Machtverhandlungen. Europa? Wird nicht einmal erwähnt. In Trumps Augen ist es bürokratisch, parasitär und schwach. In diesem großen Spiel bleibt Europa Zuschauer, weder geliebt noch respektiert.
Jetzt, da sich die USA faktisch zurückziehen, sind es gerade jene Europäer, die einst Warnungen vor einer unabhängigen Außenpolitik und autonomen Verteidigung belächelten, die am lautesten protestieren. Sie sprechen von „Verrat“, von „westlicher Spaltung“, vergessen dabei aber, dass sie dieselben waren, die den Einmarsch in den Irak unterstützten, zur Zerstörung Libyens beitrugen, Teile Afrikas militärisch kontrollierten und beim Massaker an Palästinensern schwiegen (oder gar kollaborierten).
Wenn der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz schamlos behauptet, Israel erledige „unsere Drecksarbeit“, dann sehen wir uns nicht nur amerikanischem Zynismus gegenüber. Wir stehen vor einem Wettlauf, in dem auch Europa seinen dunklen Anteil daran hat. /Adaptiert aus „Inside Over“
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