Das ungewöhnliche Treffen im Büro des Premierministers wirkte nicht wie ein protokollarischer Besuch. Hinter der distanzierten diplomatischen Rhetorik verbergen sich Anzeichen für ein angespanntes Verhältnis zwischen Rama und Erdoğan, das so kühl wie seit 2009 nicht mehr gewesen zu sein scheint.
Das Treffen am Vortag zwischen dem türkischen Botschafter Ceyhun Erciyes und Edi Rama war etwas ungewöhnlich.
Wenn ein Botschafter den Premierminister des Landes trifft, in dem er akkreditiert ist, handelt es sich in der Regel nicht nur um ein protokollarisches Verfahren oder die Übergabe einer diplomatischen Note.
Gemäß diplomatischer Gepflogenheiten kommunizieren Botschafter mit dem Außenministerium, dem Generalsekretär oder dem Minister selbst.
Das Treffen mit dem Regierungschef hat stets politisches Gewicht, da es eine direkte Botschaft der Staatsführung des Staates übermittelt, den der Botschafter vertritt.
Die nach dem Treffen veröffentlichten offiziellen Stellungnahmen sowohl der albanischen Regierung als auch der türkischen Botschaft waren in einer äußerst vorsichtigen und bürokratischen Sprache verfasst.
Deshalb sollten die Botschaften eher zwischen den Zeilen als im Text selbst gesucht werden.
Laut diplomatischen Quellen wurde das Treffen von Edi Rama selbst beantragt.
Sein Ziel war es, durch den Botschafter eine direkte Botschaft an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu übermitteln.
Diese Tatsache allein zeigt schon, dass die Beziehungen zwischen den beiden Führern auf dem Tiefpunkt ihrer gesamten Zusammenarbeit stehen.
In den vergangenen Jahren telefonierten sie häufig miteinander.
Rama besuchte regelmäßig die Präsidentenresidenz im Dolmabahçe-Palast in Istanbul, oft in informeller Atmosphäre und bei einigen Gelegenheiten in Begleitung seiner Frau Linda und seines Sohnes Zaho.
Es gab lange Gespräche, Witze und eine Beziehung, die beide öffentlich als persönliche Freundschaft darstellten.
Heute erscheint diese Zeit sehr weit entfernt.
Nicht nur die Kontakte sind abgebrochen, sondern in einigen Fällen hat es auch nicht an scharfen Äußerungen des türkischen Präsidenten selbst gemangelt.
Am bekanntesten ist wohl die Aussage, in der er Edi Rama als „katil dost“ – „Freund des Mörders“ – bezeichnete und damit auf dessen Beziehung zu Benjamin Netanjahu anspielte.
Über diesen Konflikt hinaus sind die politischen Beziehungen zwischen Ankara und Tirana in eine neue Phase eingetreten.
Und Kreise mit engem Bezug zur Türkei haben sich offen gegen Edi Rama ausgesprochen.
Laut Quellenangaben sind jedoch auch am Vorabend des NATO-Gipfels in Ankara Spannungen aufgetreten.
Es heißt, die türkische Seite habe zunächst eine Einladung an Präsident Bajram Begaj gerichtet.
Das albanische Präsidialamt hat jedoch geantwortet, dass Albanien bei internationalen Gipfeltreffen, außer in besonderen Fällen, durch den Premierminister vertreten wird.
Dies hat zu mehrtägigen bürokratischen Gesprächen zwischen den beiden Parteien geführt.
Laut Quellen gab es sogar ein Telefongespräch zwischen Edi Rama und dem türkischen Außenminister Hakan Fidan, in dem die albanische Seite jeden Versuch Ankaras ablehnte, vorzuschreiben, wer Albanien beim NATO-Gipfel vertreten soll.
Nach diesem Telefonat war die Angelegenheit geklärt, und der türkische Botschafter begab sich zum Premierminister, um die offizielle Mitteilung zu formalisieren.
Bei diesem Treffen forderte Edi Rama laut denselben Quellen, dass die Türkei das iranische Büro in der Nähe ihrer Botschaft in Tirana schließt.
Diese Struktur entstand nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Albanien und Iran, und zwar infolge der Vermittlung Ankaras, um eine weitere Eskalation der Krise zu vermeiden.
Der Iran begründet seine Präsenz mit der Notwendigkeit, die Aktivitäten der iranischen Mudschaheddin in Albanien zu überwachen.
In der Praxis, so die Kritiker, habe gerade nach der Schaffung dieser Struktur die Propaganda und die digitale Aktivität mit antiisraelischen Inhalten im albanischen Raum deutlich zugenommen.
Es ist noch nicht bekannt, wie Ankara auf diese Anfrage reagieren wird.
Aber Tatsache bleibt, dass Edi Rama selbst vor einigen Jahren die Entwicklung dieser Formel akzeptiert hat.
Und das ist eine Karte, die sich die Türkei leicht merken kann.
Wenn Sie die Erklärung des türkischen Botschafters aufmerksam lesen, werden Sie einige interessante Hinweise entdecken.
Es heißt:
„Während des Treffens wurden das ausgezeichnete Niveau der bilateralen Beziehungen und die Fortschritte der Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen gewürdigt. Die Parteien bekräftigten ihren Willen, die Beziehungen, insbesondere im Wirtschaftsbereich, weiter zu vertiefen. Botschafter Erciyes zeigte sich zudem erfreut über den bevorstehenden Besuch von Premierminister Rama in Ankara anlässlich des NATO-Gipfels.“
In so wenigen Zeilen wird eine klare Botschaft vermittelt.
Die Hoffnung auf eine Vertiefung der Beziehungen hat sich fast vollständig auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit verlagert.
Die strategische Partnerschaft, die Sicherheitspartnerschaft und die politische Nähe, die das Verhältnis zwischen Rama und Erdoğan viele Jahre lang prägten, scheinen nun der Vergangenheit anzugehören. / Broschüre
Lini një Përgjigje