Fünfunddreißig verworfene und zurückgezogene Unterschriften zeugen von einer Opposition ohne Position, ohne Verantwortung und ohne institutionelles Gewicht...
In meiner Kindheit diente das „Marsch-Marsch-Spiel“ dazu, ein Spiel zu beenden, wenn eine Niederlage unausweichlich schien. Niemand diskutierte die Regeln. Worte genügten. Das Spiel war vorbei. Heute wendet die Opposition in der Politik denselben Reflex an.
Wenn der politische Prozess nicht zum gewünschten Ergebnis führt, versucht die Opposition nicht, die Spielregeln strategisch zu ändern. Sie erklärt das System für ungültig. Sie verlässt die Nationalversammlung. Sie lehnt die Wahlen ab. Sie delegitimiert den Prozess. Dieses Vorgehen schafft keine Alternative, sondern ein Machtvakuum.
In einem demokratischen System ist Politik kein Kinderspiel. Eine Niederlage erfordert Konfrontation. Scheitern erfordert Analyse. Wiederholter Rückzug zeugt von mangelnder Bereitschaft, sich an die Regeln zu halten, die die Opposition selbst akzeptiert hat.
Wenn die Opposition „Marschiert, marschiert, spielt!“ ruft, bestraft sie nicht die Regierung. Sie agiert gegen sich selbst. Sie gibt ihr einziges Instrument auf, die politische Repräsentation. Sie ersetzt den Kampf durch Verweigerung und die Strategie durch Rechtfertigung.
Das ist das eigentliche Problem. Die Opposition verhält sich nicht wie ein Akteur, der nach Macht strebt. Sie verhält sich wie ein Spieler, der eine Niederlage nicht akzeptiert. In der Politik führt dieses Verhalten zu keinem Wandel.
Der Fall von Endri Shabanis Kandidatur für das Amt des Ombudsmanns legte dieses Verhalten auf schonungsloseste Weise offen. Fünfunddreißig Oppositionsabgeordnete hatten seine Kandidatur offiziell unterstützt. Dann zogen sie ihre Unterstützung zurück, nicht einzeln, sondern geschlossen. Keine Transparenz. Keine politische Erklärung. Keine institutionelle Verantwortung.

Die Unterschrift ist keine formale Geste. Sie ist ein politischer Akt. Der Abgeordnete, der unterschreibt, bezieht öffentlich und institutionell Stellung. Der Abgeordnete, der seine Unterschrift zurückzieht, degradiert die Nationalversammlung zu einem Kinderspiel und die Opposition zu einer kraftlosen Institution.
Dies ist keine rein technische Angelegenheit, sondern ein Symptom. Die Opposition scheiterte nicht an der Mehrheit, sondern an sich selbst. Sie versagte darin, selbst für eine Verfassungsinstitution Stellung zu beziehen, die ein Mindestmaß an Konsens und politischer Reife erfordert. Sie scheiterte daran, eine Kandidatur zu verteidigen, die sie selbst hervorgebracht hatte.
Wenn 35 Abgeordnete unterschreiben und ihre Unterschrift dann zurückziehen, droht ein politischer Zusammenbruch. Der Abgeordnete agiert nicht länger als Vertreter des Souveräns, sondern als Übergangsfigur, die auf ein Signal von oben wartet. Dieser Mechanismus zerstört die Idee der Opposition als Alternative zur Macht und reduziert sie zu einem Gremium ohne Entscheidungsautonomie.
An diesem Punkt verlor die Opposition keinen Verfahrenskampf. Sie erklärte das Spiel an sich für ungültig. Er sagte: „Das ist doch nur ein Spiel“ und schob jede Verantwortung von sich. Diese Reaktion erzeugt keinen politischen Druck, sondern politisches Elend.
Eine Opposition, die ihre eigene Marke nicht verteidigen kann, kann weder ihre Wähler noch ihre Institution oder das öffentliche Interesse verteidigen. Eine Opposition, die ihre Initiativen aufgibt, sobald sie unter Druck gerät, bereitet sich nicht auf die Regierungsarbeit vor, sondern auf die ständige Rechtfertigung.
Die Wahl des Ombudsmanns erfordert Seriosität, Stabilität und Glaubwürdigkeit. Die Opposition zog ihre Kandidatur zurück. Dies schadete weder dem Wahlprozess noch dem Kandidaten. Allerdings schädigte es das Ansehen der Opposition in der Öffentlichkeit und verstärkte den Eindruck, dass die Struktur nicht in der Lage ist, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.
In der Politik ist das Spiel nicht abgebrochen. Es geht weiter, und die Verantwortung bleibt bestehen. Die albanische Opposition verhält sich weiterhin so, als sei Politik ein Spiel, das man jederzeit beenden kann, wenn einem das Ergebnis nicht passt. Das ist kein Oppositionsgeist. Das ist eine Ablehnung der elementaren Regeln der Demokratie. / Broschüre
opozita eshte zvaranike pa bosht, dhe shkon nga deshtimi ne deshtim