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Forum14 Maj 2026, 12:08

Europa kann nicht tatenlos zusehen.

Shkruar nga Salvatore Rossi
Europa kann nicht tatenlos zusehen.
Illustratives Foto /

Die internationale Ordnung hat eine neue Ära erreicht. Die Rivalität zwischen Amerika und China gestaltet die Welt neu. An diesem historischen Wendepunkt kann Europa nicht länger tatenlos zusehen, sondern muss die Kraft finden und handeln, um nicht zwischen zwei Giganten zerquetscht zu werden.

Das heutige Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping hat eine Bedeutung, die weit über die einer protokollarischen Zeremonie hinausgeht. Es verdeutlicht beispielhaft den gegenwärtigen und zukünftigen Zustand der internationalen Beziehungen (oder der Geopolitik, wie man gemeinhin sagt) und deren untrennbare Verbindung zur Wirtschaft.

Dieser Gipfel verdeutlicht auch, wie radikal sich die Machtverhältnisse in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Es sollte uns daher nicht überraschen, dass ein politischer Gipfel zwischen Staatsoberhäuptern so eng mit der Wirtschaft verknüpft ist.

Abgesehen davon, dass Handel und Wirtschaft im Mittelpunkt der Gespräche zwischen Trump und Xi stehen werden – wie die den amerikanischen Präsidenten begleitende Oligarchen-Gefolgschaft beweist – lehrt uns die Geschichte, dass die Beziehungen zwischen Nationen von zwei Hauptmotiven bestimmt werden: Identität („wir“ versus „sie“) und wirtschaftliches Interesse.

Diese beiden Pole bedingen einander, und der jüngste Beweis dafür findet sich genau in den Handlungen des amerikanischen Präsidenten in seiner zweiten Amtszeit. Donald Trump, dieser Verfechter der Identitätspolitik, hat das US-Handelsdefizit zu einem zentralen Streitpunkt gemacht und es als Beweis für eine „globale Verschwörung“ gegen Amerika verkauft.

Dies veranlasste ihn, einen „Zollkrieg“ zu erklären, insbesondere gegen China, das den Großteil dieses Defizits ausmacht. Peking reagierte darauf mit einem Exportstopp für Seltene Erden, wichtige Elemente für Spitzentechnologie, die auch das Aushängeschild der amerikanischen Industrie ist.

Ihr erstes Treffen vor sechs Monaten trug lediglich dazu bei, die angespannte Lage etwas zu beruhigen, ohne eine wirkliche Lösung zu bringen. Tatsächlich berühren Trump und sein Umfeld ein echtes Problem: das enorme Ungleichgewicht in den amerikanischen Leistungsbilanzen.

Doch sie verkennen die Ursache völlig und versuchen, sie mit einer schädlichen Therapie wie Zöllen zu bekämpfen. Wie Martin Wolf in der Financial Times hervorhob, ist dieses Problem sowohl real als auch akut. Die bittere Wahrheit ist, dass die Amerikaner weit weniger sparen, als sie bräuchten, um die Investitionen zu finanzieren, die ihre unerschöpfliche Innovationskraft erfordert. Infolgedessen saugen sie Kapital aus dem Rest der Welt auf, der dieses Geld nur allzu gern in das mächtigste und sicherste Land investiert. Doch wenn die Amerikaner wenig sparen, bedeutet das, dass sie viel konsumieren und so zu einem „schwarzen Loch“ für Importe werden.

So schließt sich der Kreis: Die Vereinigten Staaten häufen immer mehr Schulden an. Momentan scheinen alle zufrieden zu sein, Schuldner wie Gläubiger. Doch die Geschichte lehrt uns, dass solche Ungleichgewichte nicht ewig andauern werden.

Früher oder später eskalieren diese Situationen und führen entweder zu blutigen Konflikten oder verheerenden Wirtschaftskrisen. Um dies zu verhindern, müssten die Amerikaner den Gürtel enger schnallen und ihre Ersparnisse erhöhen – ein politisch unmögliches Unterfangen ohne eine vorherige Katastrophe.

Trump und seine Anhänger wollen diese grundlegenden wirtschaftlichen Prinzipien gar nicht verstehen. Sie sind zufrieden mit dem Handelskrieg, der letztendlich ihre eigenen Wähler durch steigende Preise und Inflation trifft.

Und das führt uns zum größten Wandel der letzten Jahrzehnte. Einst zielte die Wirtschaftspolitik ausschließlich auf das Wohlergehen der Bürger und die Verteilung des Reichtums ab. Heute ist sie untrennbar mit der nationalen Sicherheit verbunden.

Die Sicherheit eines Landes hängt heute unmittelbar von der Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft und seinem Vorsprung bei der Entwicklung neuer Technologien ab. Die Nachkriegsordnung, die auf Freihandel, Globalisierung und dem offenen Austausch von Ideen unter dem Dach internationaler Institutionen beruhte, zerfällt.

Damals kümmerte sich Europa wenig um die Sicherheit. Denn dafür waren die NATO und vor allem die USA als militärische Hegemonialmacht zuständig. Doch heute, angesichts des rasanten Aufstiegs Chinas, der Aggressivität Russlands und der internen Krise der USA selbst, schwindet dieser schützende Einfluss.

Europa erwacht in einer neuen Welt, in der die „Wunder“ der Trump-Regierung die Grundfesten des Westens erschüttern. Selbst wenn diese Regierung morgen abgewählt würde, wäre der Wandel der internationalen Beziehungen nicht aufzuhalten.

Europa hat daher keine andere Wahl. Es muss seine Wirtschaftspolitik auf Protektionismus und technologischen Wettbewerb ausrichten und unkompliziert zu der Industriepolitik zurückkehren, die es einst verachtete.

Die Konfrontation zwischen China und Amerika wird langwierig sein, doch die Lehre für uns ist klar: Entweder wir werden zu Akteuren, oder wir bleiben bloße Zuschauer unseres eigenen Untergangs. / Broschüre aus „La Stampa“

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