
Der Angriff auf die jüdische Gemeinde in Mazedonien ist ein Weckruf für die Gesellschaft und eine Bewährungsprobe für den Staat angesichts von Hass, Radikalismus und der Bedrohung des friedlichen Zusammenlebens...
Der versuchte Brandanschlag auf das Gebäude der Jüdischen Gemeinde in Mazedonien ist eine zutiefst beunruhigende und inakzeptable Tat, die weit über einen Einzelfall hinausgeht und die normativen Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft unmittelbar angreift. Dieser antisemitische Akt ist nicht nur ein Angriff auf ein religiöses Gebäude, sondern auch ein Versuch, das friedliche Zusammenleben, die Würde und die Kultur des gegenseitigen Respekts zu verletzen – die Säulen der gesellschaftlichen Ordnung. Daher ist es notwendig, präventiv zu handeln und Phänomene von Hass und Radikalisierung in der Gesellschaft frühzeitig zu erkennen und ihnen vorzubeugen.
In einer Zeit, in der globale Spannungen, insbesondere im Nahen Osten, die Gefahr laufen, dass sich emotionale und ideologische Themen auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen auswirken, ist es Aufgabe der intellektuellen Eliten und der Gesellschaft selbst, Ruhe zu bewahren, Vernunft walten zu lassen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Die Übertragung ferner Konflikte auf unsere soziale Realität stellt eine ernsthafte Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Stabilität des Staates dar. Präventives Handeln sollte daher ein zentrales Instrument sein, etwa durch Bildung, institutionelle Koordination und die Stärkung des öffentlichen Bewusstseins.
In diesem Kontext muss unsere Antwort klar, entschieden und unmissverständlich sein: Wir verurteilen jede Form von Antisemitismus und jede Form von Hass oder Gewalt aus ethnischen oder religiösen Gründen aufs Schärfste. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft in eine Spirale aus Extremismus und Manipulation gerät, die oft von informellen Gruppen und unverantwortlichen Äußerungen ausgeht. Im Gegenteil, es bedarf einer breiten zivilgesellschaftlichen und institutionellen Mobilisierung, um die Werte des friedlichen Zusammenlebens zu schützen und jeden Versuch der sozialen Destabilisierung zu verhindern. Prävention muss dabei an erster Stelle stehen.
Gleichzeitig erfordert dieses Ereignis eine sofortige und effiziente Reaktion der staatlichen Institutionen. Die zuständigen Stellen müssen unverzüglich handeln, um den Fall gründlich zu untersuchen und die Täter zu identifizieren, damit diese unverzüglich vor Gericht gestellt werden können. Parallel dazu müssen die Institutionen langfristige Präventionsmechanismen etablieren, die ein erneutes Auftreten solcher Vorfälle in Zukunft verhindern. Straflosigkeit in solchen Fällen untergräbt nicht nur das Vertrauen in die Institutionen, sondern schafft auch Raum für die Wiederholung ähnlicher Taten.
In diesem Sinne ist Solidarität mit der jüdischen Gemeinde nicht nur ein ethischer Akt, sondern auch eine staatsbürgerliche Pflicht. Mein Kontakt mit dem Gemeindevorsteher Pepo Levi war ein direkter Ausdruck dieses moralischen und intellektuellen Engagements. Die Bekundung der Anteilnahme und Unterstützung in diesen schwierigen Zeiten ist nicht nur eine symbolische Geste, sondern eine Bestätigung unserer unerschütterlichen Haltung gegen jede Form von Hass und Spaltung sowie ein Aufruf zu präventiven Maßnahmen für die Zukunft.
Abschließend sollte dieses Ereignis Anlass zu kollektiver Selbstreflexion und zur Stärkung der Schutzmechanismen unserer Gesellschaft geben. Nur durch Wachsamkeit, Solidarität und das Bekenntnis zu universellen Werten, gepaart mit einem konsequenten Präventionsansatz, können wir sicherstellen, dass solche Taten in unserer Realität keinen Platz finden und das Böse unter uns keinen Raum findet. In diesen Momenten ist unsere Solidarität mit der jüdischen Gemeinde ein klares Zeichen dafür, dass unsere Gesellschaft das friedliche Zusammenleben dem Hass vorzieht.
*Prof. Dr. Skender Asani, Direktor des Instituts für das spirituelle und kulturelle Erbe der Albaner
Skopje, 13.04.2026
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