Zu den Forderungen der Demonstranten zählt die Begrenzung der Amtszeit des Premierministers, die wohl die wichtigste politische Reform seit 1990 sein könnte...
Unter den Forderungen der Demonstranten vor dem Büro des Premierministers ragt eine besonders hervor. Es geht weder um den Rücktritt von Edi Rama noch um eine Übergangsregierung oder Änderungen des Wahlgesetzes. Es geht um den Vorschlag, die Amtszeit des Premierministers auf maximal zwei Amtszeiten pro Person zu begrenzen.
Auf den ersten Blick mag es wie eine Verfassungsänderung aussehen. In Wirklichkeit ist es ein direkter Schlag gegen das politische Modell, das Albanien seit über drei Jahrzehnten dominiert.
Wäre eine solche Regel vor Jahren aufgestellt worden, wären heute weder Edi Rama noch Sali Berisha die Hauptakteure der albanischen Politik. Gemeinsam haben die beiden das politische Leben des Landes über 30 Jahre lang dominiert und sind zu Figuren geworden, die nahezu jeden Wahlkampf, jede Krise und jede wichtige politische Entwicklung geprägt haben.
Genau darin liegt die Bedeutung dieser Forderung. Sie zielt nicht einfach auf den Sturz einer Regierung ab. Sie zielt darauf ab, einer politischen Kaste ein Ende zu setzen, die immer wieder dieselben Namen und dieselben Persönlichkeiten wiederverwertet.
Die Protestierenden argumentieren, dass Albanien nicht nur einen Machtwechsel, sondern auch einen Wechsel der Eliten brauche. Denn wenn sich die Regierung ändert, aber dieselben Führungskräfte im Amt bleiben, funktioniert das System weiterhin nach derselben Logik.
Das vergleichbarste Beispiel kommt aus Ungarn. Nach 16 Jahren an der Macht trat Viktor Orbán zurück und wurde durch Péter Magyar ersetzt, der seinen Wahlkampf auf die Notwendigkeit einer politischen Erneuerung, die Begrenzung der Macht und die Abschaffung von Mechanismen, die die langfristige Dominanz eines einzelnen Führers ermöglichen, aufgebaut hatte.
In Albanien scheint die Debatte noch weiter verzögert zu sein. Rama und Berisha dominieren nach wie vor die politische Bühne, obwohl das Land bereits im vierten Jahrzehnt des Pluralismus lebt.
Aus diesem Grund dürfte die Forderung, die Amtszeit des Premierministers auf zwei Perioden zu begrenzen, der revolutionärste Vorschlag sein, der aus den Protesten hervorgegangen ist. Sie würde zwangsläufig Raum für neue Generationen von Politikern schaffen und es unmöglich machen, persönliche Macht über Jahrzehnte hinweg aufzubauen.
Demokratie misst sich schließlich nicht allein an freien Wahlen. Sie misst sich auch an der Fähigkeit, neue Führungskräfte hervorzubringen. Und vielleicht haben Protestierende zum ersten Mal seit vielen Jahren eine Idee aufgeworfen, die den Kern des politischen Problems Albaniens berührt: nicht nur, wer regiert, sondern auch, wie lange diese Personen regieren können. / Broschüre
Kthesë drejt bythlëpirjes së "Kastës të superkorruptuar dhe kriminalizuar'.