Ist Trumps Imperialismus eine reale Gefahr oder nur politisches Theater?
Donald Trump beginnt das Jahr 2026 so, wie es sich jeder Autokrat erträumen würde: mit einem präsidialen Staatsstreich und einem stillen, göttlichen Erlass. Als US-Spezialkräfte Nicolás Maduro am Vortag in Caracas festnahmen, war die Welt schockiert. Doch erst als sich der Rauch verzogen hatte und Trump triumphierend von Florida nach Washington flog, wurde deutlich, dass dies nicht nur eine Operation, sondern der Beginn einer neuen Ära war.
In der Air Force One lehnte sich Trump, in seinem üblichen dunklen Anzug und mit goldener Krawatte, an die Trennwand des Flugzeugs und begann eine persönliche Auseinandersetzung über die Details von Maduros Entführung. Er erklärte, die USA hätten nun „die Kontrolle über Venezuela“ und amerikanische Unternehmen seien bereit, das Öl zu fördern, als wäre es ein offener privater Markt.
Mit einem ungeduldigen Lächeln voller Aufregung begann er, weitere Länder aufzuzählen, denen dasselbe Schicksal bevorstehen könnte. Kuba, sagte er, stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Kolumbien werde von einem kranken Mann regiert, der Kokain an Amerika verkaufe, aber das werde er nicht mehr lange tun. Und Grönland? Dafür wolle er noch etwas abwarten. Er nannte es eine Frage der nationalen Sicherheit, verschob die Entscheidung um 20 Tage bis zwei Monate, gab aber nicht auf. Es war klar: Er sah sich nicht als Präsident, sondern als Kaiser in einer Zeit der Expansion.
Doch Pressekonferenzen genügen ihm nicht mehr. Das Außenministerium machte über soziale Medien unmissverständlich klar: „Dies ist UNSERE HEMISPHÄRE“, in großen, teils roten Buchstaben, um jegliche Illusionen zu entkräften. Und so entstand still und leise die „Donroe-Doktrin“, eine umbenannte Version der Monroe-Doktrin, benannt nach Trump und nicht nach den Gründervätern.
Stephen Miller, Trumps ständiger rechtsgerichteter Ideologe, trat im CNN auf, um die „neue Philosophie“ zu erläutern: Die Welt sei seiner Ansicht nach schon immer von Stärke und Macht regiert worden, und jede Illusion einer regelbasierten internationalen Ordnung sei eine neoliberale Schwäche, die nun zurückgewiesen werden müsse.
In einem Internetbeitrag schrieb Miller, der Westen habe sich nach dem Zweiten Weltkrieg selbst bestraft, indem er seine Imperien auflöste und den von ihm entwickelten Gebieten endlose Hilfe zukommen ließ. Der neue Ansatz sei nüchtern und frei von Heuchelei: Der Westen müsse sich nicht für seine Macht entschuldigen. Er solle sie zurückerobern.
Für Trump ist dies ein logischer Schritt: Ein Mann, der seine Karriere im Immobiliengeschäft aufgebaut hat, geht nun vom Bau von Hochhäusern zur Eroberung von Ländern über. Maduro war kein Gegner, sondern ein Hindernis auf dem Weg zur Kontrolle eines riesigen Ölvermögens. Grönland ist nicht nur eine gefrorene Landmasse, sondern ein strategischer Vorteil im Norden. Jedes Territorium ist ein wichtiger Faktor im wirtschaftlichen Gleichgewicht eines entstehenden Imperiums.
Das ist nicht bloße Rhetorik. Die Entführung Maduros, die Beschlagnahmung eines unter russischer Flagge fahrenden Tankers in Begleitung eines Militär-U-Boots oder die direkte Bedrohung der NATO-Verbündeten sind Signale dafür, dass die Welt in eine neue Ordnung eingetreten ist, in der Trump, Putin und Xi die Welt wie ein strategisches Spiel unter sich aufteilen.
Putin baut „Großrussland“ wieder auf – auf Kosten von über einer Million Toten und Verletzten in der Ukraine. Xi versucht, die Grenzen des Qing-Reiches wiederherzustellen, indem er im Südchinesischen Meer Macht demonstriert und Taiwan unter Druck setzt. Trump hingegen will „Amerika wieder groß machen“ – nicht mit Parolen, sondern mit erweiterten Grenzen und zurückgewonnenem Reichtum. Und er tut dies nicht im Geheimen, sondern mit Stolz in den sozialen Medien, wie jede Marke, die sich neu positionieren will.
Doch die Frage ist: Handelt es sich hier wirklich um ein neues Imperium oder nur um eine Inszenierung, einen „nackten König“, der mit Landkarten und Öl spielt? Trump behauptet, Venezuela eingenommen zu haben, doch für die Zeit danach hat er noch immer keinen klaren Plan. Innerhalb seiner Regierung herrscht Verwirrung über die nächsten Schritte. Sollte er hier aufhören, wäre es nur eine von vielen amerikanischen Interventionen in der Geschichte. Geht er jedoch weiter, nach Grönland, in den Iran oder in den Gazastreifen, dann steht die Welt vor einem echten Kampf moderner Imperien.
Professor Fiona Hill, ehemalige Beraterin des Weißen Hauses für russische Angelegenheiten, beschrieb ihn mit einem einfachen Satz: „Früher wollte er in Ihrem Land Gebäude errichten. Jetzt will er das ganze Land übernehmen.“ Und sie fügte besorgt hinzu: „Wir wissen nicht, welchen Fehler er als Nächstes begehen wird.“
Letztlich könnte die „Donroe-Doktrin“ alles Mögliche sein: ein Projekt zur Wiederbelebung des klassischen Imperialismus, politisches Theater für die heimische Wählerschaft oder schlichtweg eine Selbstdarstellung eines Mannes, der Privatvermögen und Staatsgebiet nicht trennen kann. Doch während er die Rolle des Kaisers spielt, erstarrt die Welt angesichts einer realen Gefahr: dem Zusammenprall dreier Imperien, die sich nicht länger verstecken. Und dieses Mal ist das Spiel offen. Mit Namen, Karten und Quellen. / Adaptiert aus „Pamphlet“ von „The Guardian“
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