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Dosja e zezë 2 Mars 2026, 21:22

Die Camorra stahl 20 kg reines Kokain von der 'Ndrangheta; Gefahr eines neuen Krieges zwischen den Clans

Shkruar nga Pamfleti

Die Camorra stahl 20 kg reines Kokain von der 'Ndrangheta; Gefahr eines

Simone Bartiromo organisierte den Raubüberfall, der Nirta-Strangio-Clan setzte ein Kopfgeld von 120.000 Euro auf ihn aus.

Casavatore, November 2023. Zwei kalabrische Kuriere transportierten 20 kg reines Kokain. Die Ladung war für den neapolitanischen Amato-Pagano-Clan bestimmt, einen der mächtigsten der Region. Doch unterwegs geschah das Unerwartete: Ein Raubüberfall, organisiert von Mitgliedern des Vanella-Grassi-Clans, raubte ihnen die Ware. Zuerst 10 kg, dann weitere 10 kg. Die Drogen wurden in Taschen und Gepäckstücken gefunden, teilweise sogar dort deponiert, damit sie abgeholt werden konnten.

Nach diesem Ereignis war das Gleichgewicht zwischen der Camorra und der 'Ndrangheta drei Jahre lang erschüttert. Bis zum 24. Februar 2026, als die Carabinieri Neapel in Zusammenarbeit mit der Antimafia-Direktion neun Personen festnahmen und Rachepläne aufdeckten, die die Außenbezirke Neapels in ein Schlachtfeld zu verwandeln drohten.

Die Schulden, mit denen alles begann

Im Zentrum der Geschichte steht Simone Bartiromo, ein Mitglied des Vanella-Grassi-Clans, der den Raubüberfall organisierte. Laut den Ermittlungen hatte Bartiromo interne Schulden in Höhe von etwa 500.000 Euro für eine unbezahlte Drogenlieferung. In der Logik krimineller Organisationen werden solche Schulden nicht erlassen. Entweder er begleicht sie mit Geld oder mit seinem Leben.

Bartiromo beschloss, seine Schulden auf Kosten fremden Eigentums zu begleichen. 20 kg Kokain, im Großhandel etwa 600.000 bis 700.000 Euro wert, reichten aus, um die Schulden im Inland zu begleichen. Doch er eröffnete ein anderes, weitaus gefährlicheres Konto: bei der 'Ndrangheta.

Die Camorra stahl 20 kg reines Kokain von der 'Ndrangheta; Gefahr eines
Simone Bartiromo/

Die Ermittlungen bestätigten, dass die Reaktion des Nirta-Strangio-Clans unmittelbar und rücksichtslos war. Im Mafia-Jargon wird das, was in Casavatore geschah, nicht einfach als Raubüberfall bezeichnet. Es heißt „Sgarro“ , eine direkte Beleidigung, die Blut fordert.

Für den Kopf des Organisators wurde eine Belohnung von 120.000 Euro ausgesetzt. Doch damit nicht genug. In den internen Treffen des kalabrischen Clans wurde auch die Möglichkeit einer Entführung von Bartiromos Frau erörtert – ein Akt, der in der Mafiawelt als einer der schwerwiegendsten gilt und das Ausmaß der Spannungen verdeutlichte.

Warum der neapolitanische Clan einen Konflikt riskierte

Die Ermittler identifizierten mehrere Gründe, die Vanella Grassi zu dieser gefährlichen Handlung veranlassten:

Interne Schulden waren der Hauptgrund. In der Mafia geht die größte Bedrohung oft von den eigenen Reihen aus. Bartiromo riskierte, von seinen eigenen Leuten getötet zu werden, wenn er das Geld nicht zurückzahlte. Lieber ein Feind in der Ferne als eine Kugel in der Nähe, so die Überlegung der Ermittler.

Auch das Territorium spielte eine Rolle. Neapel ist historisch gesehen Camorra-Gebiet. Die Präsenz der 'Ndrangheta wird dort toleriert, solange sie die lokalen Hierarchien respektiert. Der Raubüberfall diente dazu, diese Hierarchien wiederherzustellen und die Kalabrier daran zu erinnern, dass in ihrem Land andere die Gesetze machen.

Der dritte Punkt war die Fehlkalkulation. Bartiromo mag gedacht haben, die 'Ndrangheta würde die 20 Kilo nicht ahnden. Dass sie die Sache mit Amato-Pagano, mit Geld, mit einer Vereinbarung regeln würden. Doch er hatte nicht bedacht, dass in der Mafia Prinzipien wichtiger sind als Geld. Und das Prinzip besagt: Beleidigungen werden mit Blut gesühnt.

Die Camorra stahl 20 kg reines Kokain von der 'Ndrangheta; Gefahr eines
Bildquelle: Euronews

Die Untersuchung, die einen Krieg verhinderte

Drei Jahre lang verfolgten die Ermittler jeden seiner Schritte. Telefonüberwachung, Zeugenaussagen von Mitarbeitern, Auswertung geheimer Treffen. Bis Juli 2025, als Simone Bartiromo verhaftet und ins Gefängnis von Tolmezzo gebracht wurde.

Doch die Operation war damit noch nicht beendet. Am 24. Februar 2026 verhafteten die Carabinieri neun weitere Personen, darunter Mitglieder des Vanella-Grassi-Clans und Personen, die mit dem Nirta-Strangio-Clan in Kontakt standen.

Laut Anklage bestand die reale Gefahr einer Eskalation der Gewalt. Die Belohnung von 120.000 Euro war weiterhin ausgesetzt. Es wurden Entführungspläne besprochen. Ein offener Krieg zwischen der Camorra und der 'Ndrangheta hätte schwerwiegende Folgen nicht nur für die kriminelle Welt, sondern auch für die unschuldigen Bürger Neapels gehabt.

Dieser Fall zeigt, dass die Beziehungen zwischen kriminellen Organisationen, selbst nach jahrelanger Zusammenarbeit, fragil bleiben. Eine interne Verschuldung, eine Fehlkalkulation, eine direkte Beleidigung genügen, um das über Jahrzehnte etablierte Gleichgewicht zu stören.

Es zeigt auch, dass die 'Ndrangheta, die mächtigste Organisation im Kokainhandel, keine Störungen ihrer Lieferkette duldet. Und dass die Camorra, obwohl weniger zentralisiert, weiterhin um die Kontrolle über ihr Territorium kämpft.

Es zeigt aber vor allem, dass der Staat durch rechtzeitiges Eingreifen den sogenannten „guerra di mafia“ – den Krieg zwischen Mafias – verhindern kann, der stets mit Blut bezahlt wird. / Broschüre

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