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Editorial 3 Qershor 2026, 10:41

Oboenrevolution

Shkruar nga Gjergj Zefi
Oboenrevolution
Rama und Vučić /

Von Belgrad bis Tirana stehen langjährige Führungskräfte vor demselben Dilemma: den Bürgern zuhören oder nach jedem Protest imaginäre Feinde suchen...

Auf dem Balkan haben langjährige Machthaber eines gemeinsam: Wenn sich der Unmut der Bevölkerung auf den Straßen entlädt, werden Proteste selten als natürliche Reaktion der Gesellschaft verstanden. Vielmehr werden sie als Produkt eines finsteren Szenarios dargestellt, das von unsichtbaren Kräften, ausländischen Mächten oder destabilisierenden Interessen gesteuert wird.

In Serbien spricht Präsident Aleksandar Vučić seit Monaten von einer „farbigen Revolution“.

Seinen Angaben zufolge sind die massiven Proteste, die die Straßen Belgrads gefüllt haben, kein Ausdruck bürgerlichen Unmuts, sondern Teil einer Operation zum Sturz der gewählten Regierung.

Doch als Vučić den Sieg über die „Farbrevolution“ verkündet, füllt sich der Slavija-Platz wieder mit Tausenden von Bürgern.

Studenten, Professoren, Intellektuelle und einfache Bürger protestieren weiterhin und beweisen damit, dass Unzufriedenheit nicht durch politische Etiketten ausgelöscht werden kann.

Die Frage, die sich natürlich stellt, ist: Beginnt der gleiche Reflex auch in Albanien aufzutreten?

Die Proteste der letzten Tage in Tirana haben eine neue politische Realität hervorgebracht. Sie waren nicht im Rahmen eines klassischen Parteienkampfes organisiert, sondern um ein konkretes Anliegen herum, das einen Nerv in der Öffentlichkeit getroffen hat.

In jedem demokratischen Land ist Protest der normalste Mechanismus bürgerlicher Reaktion.

Das Problem entsteht, wenn die Regierung sich weigert, die Botschaft anzuhören und beginnt, nach den geheimen Tätern dahinter zu suchen.

Die Geschichte des Balkans ist voll von Beispielen, in denen Regierungen in diesem Punkt Fehler gemacht haben. Anstatt die Gründe für die Unzufriedenheit zu analysieren, konzentrierten sie sich auf Verschwörungstheorien. Anstatt ihre Politik zu korrigieren, griffen sie Protestierende an. Anstatt den Dialog zu suchen, konstruierten sie feindselige Narrative.

Je länger ein Machthaber an der Macht bleibt, desto größer wird die Gefahr, dass er den Bezug zur Realität verliert. Jede Kritik wird als Angriff gewertet. Jeder Protest wird nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen. Jede Unzufriedenheit als Verschwörung.

Dies ist nicht nur eine serbische Geschichte.

Es handelt sich um ein bekanntes Syndrom bei lang anhaltender Krankheit.

Die Frage ist daher nicht, ob in Albanien eine „farbige Revolution“ stattfindet. Die eigentliche Frage ist, ob die Regierung beginnt, dieselbe Logik anzuwenden, die Vučić heute anwendet: nicht die Bürger zu sehen, sondern die Schatten hinter ihnen.

Denn Proteste lassen sich unterdrücken, ignorieren oder stigmatisieren. Doch Unzufriedenheit verschwindet nicht. Sie staut sich an. Und wenn sie sich lange anstaut, braucht es keine Farbrevolution mehr. Die Realität genügt. / Broschüre

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