Der Finanzminister erklärte, die Gesetze seien fertig und man warte auf Vorschläge von Partnern, doch offizielle Dokumente der EU, des IWF und Bewertungen nach FATF-Standards zeigen, dass Albanien deutlich vor Gesetzen gewarnt wurde, die Informalität dulden und Geldwäsche begünstigen.
Die Regierung präsentierte das Vorhaben als „Fiskalfrieden“, doch im Kern bleibt es dasselbe: Schuldenerlass, Strafmilderung für Steuersünder und ein hartes Vorgehen gegen Unternehmen, die regelmäßig gezahlt haben. Während Petrit Malaj versucht, es als rein technische Beratung darzustellen, zeigen offizielle Dokumente, dass internationale Partner diese Vorgehensweise seit Jahren als Risiko für gute Regierungsführung, fiskalische Gerechtigkeit und die Bekämpfung von Geldwäsche ablehnen.
Die Regierung von Edi Rama präsentierte es als „Fiskalfrieden“. Im Wesentlichen handelt es sich aber um dieselbe Logik, die internationale Partner seit Jahren in Bezug auf die Fiskalkamnestie ablehnen: Vergebung der Verpflichtungen, Nachsicht gegenüber Gesetzesbrechern und ein falsches Signal an diejenigen, die das Gesetz durchgesetzt haben.
Petrit Malaj versuchte, die Angelegenheit zu beschwichtigen, indem er erklärte, die Statuten seien fertiggestellt und man warte nun auf Vorschläge internationaler Partner, bevor die Umsetzung beginnen könne. Diese Erklärung verschleiert jedoch den Kern des Problems. Es geht hier nicht nur um technische Vorschläge, sondern um politischen und institutionellen Widerstand gegen ein Vorhaben, das internationale Partner seit Langem als problematisch ansehen.
Die Europäische Kommission hat dies in ihrem Albanien-Bericht 2022 ausdrücklich erklärt. Darin heißt es, die Verabschiedung eines Gesetzes zur Steuer- und Strafamnestie entgegen dem Rat der EU und von MONEYVAL könne Albaniens Fortschritte in diesem Bereich und im Kampf gegen die Korruption gefährden. Dies ist keine Andeutung, sondern die offizielle Brüsseler Position.
Im darauffolgenden Jahr ging die Europäische Kommission noch einen Schritt weiter. In ihrem Bericht zu Albanien aus dem Jahr 2023 hob sie hervor, dass der von Albanien Anfang 2022 der FATF vorgelegte Gesetzentwurf zur Steuer- und Strafamnestie „weder den FATF-Prinzipien noch den bewährten Verfahren entsprach“. Im selben Bericht wird Albanien dringend aufgefordert, sicherzustellen, dass künftige Gesetze dieser Art mit dem europäischen Besitzstand und internationalen Standards im Einklang stehen.
Die Regierung steht also nicht vor einem routinemäßigen Konsultationsprozess. Sie sieht sich vielmehr einer roten Linie gegenüber, die von internationalen Partnern seit Langem gezogen wurde.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) vertritt eine ähnliche Position. In seiner Bewertung von 2022 warnte der IWF vor der vorgeschlagenen Steueramnestie aufgrund der Risiken für Regierungsführung und Geldwäsche. Bereits zuvor hatte der IWF von Steueramnestie und Ad-hoc-Steuersenkungen abgeraten.
Hier greift Malajs Argumentation zu kurz. Denn die internationalen Partner diskutieren nicht einfach nur eine technische Richtlinie. Sie stellen sich der Philosophie des Gesetzes selbst entgegen, wann immer es Steuersündern Vorteile verschafft, die Gleichheit vor dem Staat verletzt und die Gefahr der Geldwäsche birgt.
Deshalb wird „Fiskalfrieden“ nicht als neutrales Instrument betrachtet. Es wird vielmehr als eine neu verpackte Form der Steueramnestie gesehen. Der Name hat sich geändert, doch der Verdacht bleibt derselbe: Schuldenerlass, Duldung informeller Praktiken und unfaire Vorteile für diejenigen, die nicht gezahlt haben.
Wenn ein Unternehmen informell agiert, Verpflichtungen verschleiert oder die Steuerlast umgangen hat und der Staat ihm anschließend einen erleichterten Ausstieg ermöglicht, ist der Schaden nicht nur finanzieller Natur. Er ist auch moralisch, wirtschaftlich und institutionell. Denn der Staat bestraft die Korrekten und belohnt die Übeltäter.
Genau aus diesem Grund betrachten Brüssel und der IWF dieses Thema nicht als fiskalpolitische Maßnahme, sondern als Problem der Rechtsstaatlichkeit, des fairen Wettbewerbs und der Bekämpfung von Geldwäsche. Albanien konnte erst nach einem schwierigen Prozess von der FATF-Grauen Liste gestrichen werden, und die Europäische Kommission hat unmissverständlich gefordert, dass jede neue Initiative mit Auswirkungen auf die Finanzintegrität den FATF- und MONEYVAL-Standards entsprechen muss.
Die Frage ist daher nicht, ob Petrit Malaj auf Vorschläge wartet. Die Frage ist vielmehr, warum er nicht offen sagt, dass internationale Partner diese Logik seit Jahren ablehnen und dass das Problem nicht in der Verzögerung der Statuten liegt, sondern im Wesen des Gesetzes selbst. / Broschüre
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