Was verbirgt sich hinter dem Besuch der kurdischen Delegation in Tirana?
Während sich die Aufmerksamkeit der internationalen Politik auf den NATO-Gipfel richtet, bei dem sich morgen die Staats- und Regierungschefs der verbündeten Länder versammeln, hat Premierminister Edi Rama eine ganz andere Agenda gewählt.
In seinem Büro empfing er den stellvertretenden Ministerpräsidenten der Region Kurdistan im Irak, Qubad Talabani. Der Besuch verlief fast in Stille, wirft aber eine einfache Frage auf: Welches Interesse hat Albanien an Kurdistan?
Hier geht es nicht um den Staat Irak, sondern um die Autonome Region Kurdistan, ein Gebiet im Norden des Landes mit eigener Regierung, eigenem Parlament und eigener Verwaltung, das einen bedeutenden Teil der Ölreserven kontrolliert und seit Jahren versucht, Investitionen und internationale Partner anzuziehen.
In der offiziellen Mitteilung der kurdischen Regierung heißt es, dass mit Rama über die Zusammenarbeit in den Bereichen Tourismus, Handel, Investitionen und Erfahrungsaustausch gesprochen wurde, während Vizepremierminister Talabani nicht mit Lob für die albanische Regierung sparte und Reformen, Infrastruktur, Tourismus und Digitalisierung lobte.
Doch abgesehen von den diplomatischen Erklärungen bleibt der Besuch ungewöhnlich. Albanien unterhält keine nennenswerten Beziehungen zur Region Kurdistan, es sind keine Wirtschaftsprojekte bekannt, und auch keine Kooperationsgeschichte, die die Bedeutung rechtfertigen würde, die der Premierminister diesem Besuch beimisst. Es ist also wahrscheinlich, dass sich da etwas anbahnt.
Vor Jahren gab es Gespräche über eine Umsiedlung der „kurdischen Mudschaheddin“, ähnlich den iranischen Mudschaheddin, die in Manez Zuflucht gefunden haben, doch seitdem ist nichts geschehen. Rama trifft die Kurden auch einen Tag vor seinem Besuch in der Türkei, wo der NATO-Gipfel stattfindet, während Erdoğans Beziehungen zu ihnen bekannt sind.
Die Gründe für diesen Besuch, der inmitten der Spannungen zwischen den USA und dem Iran stattfindet, sind derzeit unbekannt. Die USA nutzten sogar Kurden, um iranisches Territorium zu infiltrieren. Erfahrungsgemäß kommen die Machenschaften dieser Regierung erst nach einigen Monaten ans Licht. Rama empfing wiederholt Delegationen, ohne Details preiszugeben, und Monate später brachen Skandale aus.
Doch ein Detail entging niemandem.
Edi Rama ist seit Jahren für ein Element bekannt, das ihn bei offiziellen Anlässen nie verlässt: weiße Turnschuhe. Dieses Mal scheint das „Rama-Protokoll“ auch von seinen kurdischen Freunden übernommen worden zu sein. Auf dem offiziellen Foto trägt fast die gesamte kurdische Delegation weiße Turnschuhe, sodass das Bild eher wie eine offizielle Kleiderordnung als ein Zufall wirkt.

Da keine konkreten Vereinbarungen öffentlich verkündet wurden, hat der Besuch mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Warum gerade jetzt? Und vor allem: Handelt es sich lediglich um einen Höflichkeitsbesuch oder um den Beginn einer neuen wirtschaftlichen und politischen Beziehung zwischen Tirana und Erbil, einer Region mit vielen komplexen Interessen?
Die naheliegendste Antwort bleibt vorerst das Bild: Rama hat zumindest eine Sache erfolgreich nach Kurdistan exportiert … weiße Turnschuhe. / Broschüre
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