Die gefährliche Parallele zwischen Tirana und Belgrad: Wenn Macht personalisiert wird und Diplomatie zum Mittel des politischen Überlebens wird...
Die serbische Tageszeitung „Danas“ verwendete heute die Metapher „Posle mene, potop“ (Nach mir die Flut) in Anspielung auf die Politik von Präsident Vučić. In Tirana nimmt diese Philosophie eine leisere, aber nicht weniger gefährliche Form an: „Nach mir die Flut“. Nicht im Sinne physischer Zerstörung, sondern im Sinne des schleichenden Verfalls von Standards, institutionellem Vertrauen und internationaler Glaubwürdigkeit.
Dieses Modell ist auf dem Balkan bekannt. In Belgrad, unter Aleksandar Vučić, wurde die Macht so weit personalisiert, dass die Außenpolitik als Instrument des inneren Überlebens dient. Serbien spielt mit zwei Toren: Brüssel und Moskau. Das Ergebnis? Langwierige Verhandlungen mit der EU und ein gespaltenes Image, das das Land in einem Zustand strategischer Unsicherheit hält.
In Tirana, unter der Führung von Edi Rama, wird eine andere Linie verfolgt: Albanien sei hundertprozentig westlich orientiert, NATO-Mitglied und formell auf Integrationskurs. Das Problem liegt jedoch nicht in der offiziellen Erklärung, sondern in der Widersprüchlichkeit der Botschaft. Jede Handlung, die den Eindruck von Unklarheit erweckt – sei es die Teilnahme an Foren mit unklarer politischer Struktur oder eine Rhetorik, die Partnerschaften relativiert –, positioniert Albanien in einer Grauzone, die einem Kandidatenland nicht zusagt.
Die Parallele zwischen Tirana und Belgrad liegt nicht in der formalen Ausrichtung, sondern im Regierungsstil: Machtkonzentration, Schwächung institutioneller Gleichgewichte, interne Polarisierung und Instrumentalisierung der Diplomatie für innenpolitische Zwecke. In Serbien ist diese Strategie zur Doktrin geworden. In Albanien droht sie zur Gewohnheit zu werden.
„Nach mir kommt die Flut“ bedeutet nicht zwangsläufig einen sofortigen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Es bedeutet schleichende Erosion: anhaltende Abwanderung, Misstrauen gegenüber Institutionen, Einflussnahme der Verwaltung, Schwächung der parlamentarischen Debatte. Es bedeutet, dass das europäische Projekt als rhetorischer Schutzschild missbraucht wird, während europäische Standards nur selektiv angewendet werden.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass Serbien aufgrund seines Gewichts und der Kosovo-Frage den geopolitischen Luxus eines Gleichgewichts genießt. Albanien hingegen kann nicht schwimmen. Tirana kann sich keine strategischen Ausflüchte leisten, denn sein wichtigstes internationales Kapital ist gerade seine Glaubwürdigkeit als verlässlicher westlicher Partner.
Wenn Belgrad die Mehrdeutigkeit als Druckmittel einsetzt, riskiert Tirana, sie als Instrument für Improvisation zu nutzen. Und Improvisation in der Diplomatie kostet Zeitverlust in Verhandlungen, Skepsis in europäischen Hauptstädten und eine Schwächung der regionalen Rolle.
Letztlich ist die Frage einfach: Bauen wir einen Staat, der auch nach dem Abgang des jetzigen Führers funktionsfähig ist, oder ein System, das von seiner Person getragen wird? Die Geschichte des Balkans zeigt, dass das zweite Modell ein Machtvakuum und keine Stabilität erzeugt.
Wenn Serbien aufgrund seines ständigen Balanceakts Gefahr läuft, auf der Stelle zu treten, riskiert Albanien aufgrund von Selbstzufriedenheit abzurutschen. Und in beiden Fällen sind die Kosten nicht persönlicher Natur für die jeweiligen Führungskräfte, sondern nationaler Natur. / Broschüre
Anmerkung: *Après moi, le deluge (Nach mir die Sintflut) ist ein französischer Ausdruck, der König Ludwig XV. zugeschrieben wird.
Se shpejti... "A horse, a horse...My kingdom for a horse.."