
Anders als bei den üblichen Protesten, die sich nach Reden auflösen, marschieren Tausende von Bürgern auch fünf Stunden nach Beginn der Kundgebung noch immer um das Büro des Premierministers. Rufe wie „Rama ins Gefängnis“, „Berisha ins Gefängnis“ und „Rama tritt zurück“ hallen noch immer über den Boulevard.
Fünf Stunden nach Beginn des Protests lässt der zivile Widerstand nicht nach. Im Gegenteil, er gewinnt an Stärke.
Während in Tirana Dunkelheit herrscht, umzingeln Tausende von Demonstranten weiterhin symbolisch das Gebäude des Premierministeramtes. Dies gilt als der schwierigste politische Tag für Edi Rama seit seinem Amtsantritt.
Nach dem Ende der Reden löste sich die Menge nicht auf. Die Bürger begannen einen ununterbrochenen Marsch um das Büro des Premierministers und bildeten so einen geschlossenen Kreis von Demonstranten, der sich weiterhin um das Regierungsgebäude bewegt.
Aufnahmen zeigen, dass die Beteiligung auch nach stundenlangen Protesten weiterhin massiv ist, während der Boulevard weiterhin mit Bürgern aus ganz Albanien und der Diaspora gefüllt ist.
Die Rufe, die den Protest den ganzen Tag über begleitet haben, hallen in der Luft wider.
„ Rama im Gefängnis, Berisha im Gefängnis “, „ Rama tritt zurück “, hört man aus der Menge, die den Marsch fortsetzt.
Einer der eindringlichsten Appelle des Abends richtet sich direkt an den Premierminister: „ Sie sind umzingelt, es gibt kein Entkommen .“
Zum ersten Mal seit Beginn der Proteste vor 21 Tagen hat die Mobilisierung ein Ausmaß erreicht, das über eine gewöhnliche Kundgebung hinausgeht. Der Boulevard war nicht nur während der Reden voll, sondern blieb auch danach noch stundenlang überfüllt, da sich die Bürger weigerten, den Platz zu verlassen.
Die massive Beteiligung der Diaspora aus Großbritannien, Deutschland, Italien, Griechenland und anderen Ländern hat dem Protest eine neue Dimension verliehen. Albaner, die Dutzende Stunden gereist sind, um nach Tirana zu gelangen, marschieren Seite an Seite mit Bürgern, die den Protest seit drei Wochen aufrechterhalten.
Was heute Abend auf dem Boulevard geschieht, ist mehr als nur ein Protest. Es ist die größte Demonstration der Stärke dieser Bewegung seit ihrem Beginn und eine direkte Botschaft an die Regierung, dass der Unmut der Bevölkerung nicht nur nicht nachgelassen hat, sondern sogar noch zunimmt.
Während die Stunde verstreicht und der Marsch weitergeht, wird eines deutlich: Der Protest ist mit den Reden noch nicht beendet. Tausende Bürgerinnen und Bürger haben sich heute Abend entschieden, auf den Straßen zu bleiben und das Büro des Premierministers symbolisch zu umzingeln.
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