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Editorial15 Tetor 2025, 12:51

Gaza, Kosovo und das fatale Missverständnis des Befreiungskrieges

Shkruar nga Fadil Lepaja
Gaza, Kosovo und das fatale Missverständnis des Befreiungskrieges
Hamas /

Gaza als zweite Bewährungsprobe für die Zivilisation und arabisches Schweigen als strategische Entscheidung

Wenn es einen analytischen Ansatz gibt, der nicht einfach falsch, sondern für das Konzept der Freiheit selbst gefährlich ist, dann ist es der Vergleich, den einige islamische Kreise unter Albanien zwischen Gaza und Kosovo angestellt haben. Dabei werden die Hamas und ihre Befreiungsarmee gleichgesetzt, obwohl erstere im Namen Gottes kämpft, während die UCK im Namen der Bürger kämpfte. 

 Dieser Vergleich ist weder historisch noch politisch noch moralisch stichhaltig. Es handelt sich nicht um ein harmloses Missverständnis, sondern um eine Verzerrung, die den Unterschied zwischen einer Befreiungsbewegung, die eine demokratische Ordnung anstrebt, und einer ideologischen Organisation, die eine autoritäre Ordnung durchsetzt, verwischt.

Die UCK war nicht die Hamas. Kosovo war nicht Gaza. Und dieser Unterschied ist nicht semantischer Natur, sondern substanziell.

Die UCK: eine Bewegung für demokratische Ordnung, nicht für ideologische Macht

Die Kosovo-Befreiungsarmee war keine ideologische Armee. Sie strebte weder den Aufbau einer theokratischen Ordnung noch den Export einer religiösen oder nationalistischen Ideologie an. Sie war eine Reaktion auf die brutale Besatzung mit einem klaren Ziel: der Befreiung des Territoriums und dem Aufbau demokratischer Institutionen. In diesem Sinne war die UCK Teil eines politischen Projekts, das auf die Integration in die westliche Ordnung abzielte, nicht auf deren Sturz.

Die Hamas hingegen ist ein ideologisches Projekt, das in einer theokratischen Ordnung verwurzelt ist und die Grundlagen des säkularen Staates in Frage stellt. Sie strebt nicht nur territoriale Befreiung an, sondern auch die Umgestaltung der sozialen und politischen Ordnung im Einklang mit einer engen religiösen Vision. Daher ist der Vergleich mit der UCK nicht nur unzutreffend, sondern auch eine Beleidigung der Geschichte des Kosovo.

Hamas und serbischer klerikaler Nationalismus: zwei Seiten derselben Medaille

Wenn wir einen genauen Vergleich anstellen wollen, deckt sich die Politik der Hamas zur Befreiung der „heiligen Stätten“ eher mit der Politik des serbischen klerikalen Nationalismus, der darauf abzielte, die serbische Vorherrschaft über Gebiete wiederherzustellen, die es als Teil seines historischen und religiösen Erbes betrachtete. Die Hamas strebt die Zerstörung Israels um jeden Preis an, während die UCK nicht die Zerstörung Serbiens anstrebte, sondern lediglich dessen Vertreibung aus einem Gebiet, das sie im Mittelalter und erneut im 20. Jahrhundert besetzt hatte.

In diesem Licht betrachtet, deckt sich die Politik des Staates Kosovo hinsichtlich des Aufbaus demokratischer Institutionen und der Integration in die internationale Ordnung eher mit der Politik Israels, das Jerusalem von der islamischen Besatzung befreit und einen säkularen Staat mit funktionierenden Institutionen und politischem Pluralismus aufgebaut hat.

Die Befreiung des Gazastreifens: Von Panzern zu Institutionen

Erst jetzt, mit dem von Präsident Trump vermittelten Abkommen, tritt Gaza in eine Phase ein, die mit dem Kosovo nach 1999 vergleichbar ist. Dieses Abkommen ist nicht einfach ein Waffenstillstand, sondern ein Projekt zur doppelten Befreiung Gazas: von der israelischen Militärbesatzung und von der ideologischen Vereinnahmung durch die Hamas. Die massive Rückkehr der Bürger in ihre zerstörten Häuser ist mehr als ein humanitärer Akt, sie ist die Wiederherstellung der bürgerlichen Souveränität.

Internationale Truppen, die Entwaffnung der lokalen Streitkräfte und US-Garantien sind die Elemente, die diesen Prozess dem im Kosovo ähneln lassen. Doch die Ähnlichkeit liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft, die gerade aufgebaut wird: einer Ordnung, in der die Bürger durch freie Wahl säkulare Institutionen aufbauen und eine politische Autonomie verwirklichen, die von beiden Besatzern befreit ist.

Die Wirtschaft als Grundlage der neuen Ordnung

In diesem Zusammenhang sind ausländische Investitionen – amerikanische, westliche, arabische und türkische – nicht nur Wirtschaftshilfe. Sie sind Instrumente der Modernisierung. Sie schaffen Arbeitsplätze, bauen Infrastruktur auf und – was am wichtigsten ist – bieten Alternativen zur Abhängigkeit vom Staatshaushalt oder ideologischen Strukturen. Dies ist der nachhaltigste Weg zur Befreiung der Bürger: indem sie ihnen eine echte Chance auf ein Leben in Würde geben.

Die Türkei und die Vereinigten Staaten können mit ihren unterschiedlichen, aber sich ergänzenden Erfahrungen bei diesem Wandel eine Schlüsselrolle spielen. Sie können dazu beitragen, eine Ordnung aufzubauen, in der die palästinensischen Bürger ein eigenes Interesse daran haben, säkulare Institutionen zu unterstützen, weil diese ihnen Sicherheit, Arbeitsplätze und Perspektiven bieten.

Gaza als zweite Bewährungsprobe für die Zivilisation und arabisches Schweigen als strategische Entscheidung

Nur so lässt sich das arabische Schweigen angesichts der israelischen Besatzung verstehen: nicht als Zustimmung, sondern als Ablehnung der gefährlichsten Alternative: des Exports der islamischen Revolution in die Region, der Aneignung „heiliger Stätten“ und der Neuausrichtung des gesamten gesellschaftlichen Lebens auf ein theokratisches Modell. Schweigen ist keine Kapitulation, sondern Kalkül: die Entscheidung, die säkulare Ordnung zu bewahren, das regionale Gleichgewicht zu schützen und zu verhindern, dass Gaza zum Sprungbrett für eine Ordnung wird, die die Grundfesten des modernen Staates bedroht.

In diesem Licht betrachtet ist die Zusammenarbeit zwischen den USA, der Türkei und Ägypten nicht nur Diplomatie – sie ist politische Architektur. Sie kann wirtschaftliche und politische Freiheit bringen und den bürgerlichen Willen zum Aufbau säkularer, effektiver Institutionen und einer vorbildlichen Demokratie mobilisieren. Gaza ist nicht wie der Kosovo, aber es kann eines werden, wenn die Befreiung nicht bei Panzern endet, sondern mit Ideen, Wirtschaft und Wahlen weitergeht. Und nur dann wird die Geschichte Gazas nicht als Wiederholung des Schmerzes, sondern als Neubeginn der Freiheit geschrieben. / Broschüre

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