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Editorial 3 Mars 2026, 11:40

Balkanbrüder und der Fluch der Macht

Shkruar nga Zheljko Ivanoviç
Balkanbrüder und der Fluch der Macht
Edi und Olsi Rama /

Von Podgorica über Belgrad bis Tirana wiederholt sich die Geschichte: Langfristige Macht erzeugt Autokratie, während oft Familienmitglieder die Zeche zahlen...

In der Politik wie im Sport muss ein wahrer Spieler wissen, wann es Zeit ist, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Die Realität zu ignorieren, wenn sie einem deutlich signalisiert, dass das Spiel vorbei ist, rächt sich meist.

2019 brachte der serbische Analyst und ehemalige Politiker Zoran Čičak die Idee der „Brüder“ des Balkan-Oktopus ins Spiel. Er nannte die Haradinaj-Brüder, die Rama-Brüder und die Gjukanović-Brüder. Später wurde die Liste um weitere Namen in Serbien erweitert: Stefanović, Petković, Mali, Vučić und sogar Brnabić. Die Idee war einfach: Auf dem Balkan ist Macht selten individuell; sie ist familiär.

Jahre zuvor hatte derselbe Autor eine Liste mit Ratschlägen für einen fiktiven serbischen Oppositionellen zusammengestellt, der nach der Macht strebte: Niemals einen Pakt mit Kriminellen schließen, insbesondere nicht mit Montenegrinen und Albanern; niemals Geschäfte mit ausländischen Diensten machen, insbesondere nicht mit britischen; die Kombination aus beidem ist oft fatal. Doch der wichtigste Rat lautete: Niemand ist unsterblich. Lerne, eine politische Niederlage vorherzusehen und dich mit Würde zurückzuziehen.

Diese Botschaft scheint in Montenegro heute relevanter denn je. Im Fall von Milo Djukanović ist das Dilemma nicht mehr nur politischer, sondern auch persönlicher Natur. Die Verhaftung seines Bruders, die Waffenaffäre, die zu Hause vergessene Munition – all dies zeichnet ein Bild, in dem langjährige Macht unvorhersehbare Folgen hat. Die Geschichte lehrt, dass nur wenige Machthaber rechtzeitig den richtigen Rückzug gefunden haben. Von Nicolae Ceaușescu über Slobodan Milošević, Muammar Gaddafi und Hosni Mubarak bis hin zu Nikola Gruevski oder Nicolás Maduro – das Ende war selten friedlich. Weder für den Machthaber noch für seine Familie oder sein Land.

In Serbien stellt sich die Frage nach Aleksandar Vučić: Ist die Zeit für harte Strafen gekommen? Oder wird der unausweichliche Epilog eines Tages eintreten, an dem nicht politische Gegner, sondern die engsten Vertrauten vor Gericht gestellt werden? Namen wie Andrej Vučić fallen immer wieder in der öffentlichen Debatte, zwischen gegenseitigen Anschuldigungen, wodurch die Grenze zwischen Macht und Familie zunehmend verschwimmt.

In Albanien wirkt Edi Rama gefestigter und kultivierter. Medien und internationale Beobachter werfen ihm jedoch Machtkonzentration, systematische Korruption und dubiose Verbindungen zwischen Politik und Oligarchie vor. Der Name seines Bruders Olsi Rama wird in den Medien häufig als Symbol für diese Verflechtung von Wirtschaft und Macht genannt. Laut öffentlichen Berichten wird sein Vermögen auf Hunderte Millionen Euro geschätzt, hauptsächlich erwirtschaftet in Branchen wie Telekommunikation und Glücksspiel. In Montenegro wird das Vermögen von Djukanovićs Bruder auf ähnliche Summen geschätzt; seine Wurzeln liegen im Übergang der 1990er-Jahre hin zu Bank- und Immobilieninvestitionen.

Der Fall Nordmazedoniens ist bezeichnend. Nikola Gruevski konnte unter dem politischen Schutz Viktor Orbáns nach Ungarn fliehen. Sein Cousin Saša Mijalkov, der ehemalige Chef der Geheimdienste, sah sich derweil schweren Vorwürfen des Amtsmissbrauchs und der organisierten Kriminalität gegenüber. Obwohl er zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, kam er letztendlich mit einer Bewährungsstrafe davon. Die Lehre daraus? Gerechtigkeit auf dem Balkan lässt oft auf sich warten oder ist mit Kompromissen verbunden.

Vor diesem Hintergrund wird der gemeinsame Brief von Vučić und Rama an Brüssel, in dem sie die Integration in den europäischen Binnenmarkt ohne Vollmitgliedschaft vorschlagen, von Kritikern als Versuch gewertet, wirtschaftliche Vorteile zu sichern, ohne die innere Kontrolle zu gefährden. Laut dieser Interpretation geht es um Handel ohne Grenzen, aber um Macht ohne rechtliche Beschränkungen.

Das Balkan-Paradoxon ist offensichtlich: Die Machthaber sprechen von Reformen und europäischer Integration, doch in der Praxis festigen sie ihre Kontrolle über Parlament, Institutionen, Justiz und Medien. Und wenn es dann zur Rechenschaft gezogen wird, sind es oft Familienmitglieder, die als Erste die Verantwortung übernehmen müssen.

„Wenn ihr geht, seid Gentlemen. Beklagt euch nicht über euer Schicksal. Und kommt nicht wieder; Politiker sind keine Sarmas, die man am besten warm genießt“, lautete einer von Çičaks Ratschlägen. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Botschaft in Tirana, Belgrad oder Podgorica Gehör finden wird.

Der Balkan wiederholt ein bekanntes Muster: lange Herrschaft, eng verflochtene Familien, gewaltige Vermögen und ein ungewisses Ende. Die Balkan-Brüder bleiben ein Symbol dieser Symbiose zwischen Blut und Macht. Und die Geschichte lehrt, dass dieses Band früher oder später seinen Preis fordert.

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2 Komente

  1. K
    Krenari

    Me i rezikshem eshte Olsi, ai rri nën hije,dhe drejton ne heshtje,thjeshte financier i familjes së mykur.

    1. J
      Justi

      ZOTI JUA SHFAROSTE RACEN O VLLAZERI E PADENJE, OLSI VEPRUESI I HESHTUR PASTRIMI EDI PUSHTETI I PARAS SE PISTE. LUSIM T HAKMERRRRREEEETTTT PERENDIA SE KTO JANE BIJTE E DJALLIT.

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