Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments unterstützen das Ziel, die Verhandlungen bis 2027 abzuschließen, fordern aber weitergehende Reformen, eine Stärkung des SPAK und ein Verbot von Eingriffen in Schutzgebiete...
Das Europäische Parlament hat einen Bericht über Albaniens Fortschritte auf dem Weg zur Europäischen Union mit überwältigender Mehrheit angenommen und das Land als einen der aussichtsreichsten Beitrittskandidaten bezeichnet. Die Abgeordneten warnen jedoch, dass Korruption, politische Polarisierung und Schwächen im Rechtsstaat weiterhin ernsthafte Hindernisse darstellen, die das Tempo der Integration beeinträchtigen könnten.
Der Bericht wurde mit 483 Ja-Stimmen, 103 Nein-Stimmen und 70 Enthaltungen angenommen. Er lobt die in Albanien in den letzten Jahren durchgeführten Reformen, insbesondere im Justizwesen, betont aber, dass die vollständige Umsetzung der Gesetze und die Konsolidierung der Institutionen weiterhin entscheidend für die EU-Mitgliedschaft sind.
Das Europäische Parlament hält Albaniens Ziel, die Verhandlungen bis Ende 2027 abzuschließen, für realistisch, betont aber, dass die Qualität der Reformen den tatsächlichen Zeitpunkt für den Beitritt zur europäischen Familie bestimmen wird.
Eine der wichtigsten Aussagen des Berichts betrifft die Korruption. Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments äußerten sich besorgt über Albaniens Abstieg im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International – von Platz 80 im Jahr 2024 auf Platz 91 im Jahr 2025. Laut Bericht bleibt Korruption ein gravierendes Problem, insbesondere in den höchsten Ebenen von Verwaltung und Politik.
In diesem Zusammenhang bewertet das Europäische Parlament die Arbeit der Sonderstruktur zur Bekämpfung von Korruption und organisierter Kriminalität (SPAK) und fordert die Gewährleistung ihrer Unabhängigkeit, ausreichender finanzieller und operativer Ressourcen sowie die Vermeidung jeglicher Einschränkungen, die die Ermittlungsbefugnisse der Institution untergraben könnten.
Der Bericht hebt außerdem hervor, dass die albanische Justiz dank des Überprüfungsprozesses bedeutende Fortschritte erzielt hat, aber weiterhin politischem Druck und geerbten Problemen ausgesetzt ist, wie etwa der hohen Anzahl an Aktenrückständen, Verfahrensverzögerungen und der nicht immer effektiven Umsetzung gerichtlicher Entscheidungen.
Ein eigenes Kapitel ist Umweltfragen gewidmet. Ein von grünen Europaabgeordneten eingebrachter Änderungsantrag fordert ein sofortiges Moratorium für Genehmigungen und Neubauten in Schutzgebieten, bis die albanische Gesetzgebung vollständig an die Standards der Europäischen Union angepasst ist. Das Dokument fordert außerdem umfassende Umweltverträglichkeitsprüfungen und die transparente Einbeziehung lokaler Gemeinschaften, Experten und zivilgesellschaftlicher Organisationen.
Der albanische Berichterstatter im Europäischen Parlament, Andreas Schieder, erklärte, das Land stehe weiterhin an der Spitze der EU-Beitrittskandidaten. Seiner Ansicht nach dürfe Integration nicht allein an wirtschaftlichen Kriterien oder der Rechtsstaatlichkeit gemessen werden, sondern müsse auch den Aufbau eines funktionierenden Sozialsystems, die Achtung der Arbeitnehmerrechte und die Stärkung der sozialen Sicherungssysteme umfassen.
Neben Justiz und Korruptionsbekämpfung fordern die Europaabgeordneten Albanien auf, den Kampf gegen organisierte Kriminalität, Geldwäsche und Drogenhandel zu beschleunigen sowie die Zusammenarbeit mit europäischen Sicherheitsbehörden, Europol und Eurojust zu intensivieren.
Zu den positiven Aspekten des Berichts zählen Albaniens Beitritt zum europäischen SEPA-Zahlungssystem und die nationale Strategie zur Bekämpfung der Geldwäsche. Diese Schritte werden als wichtig für eine weitere Annäherung an die Standards der Europäischen Union angesehen.
Die Kernbotschaft des Europäischen Parlaments ist eindeutig: Albanien schreitet rasch in Richtung EU-Mitgliedschaft voran, doch dieser Weg ist weiterhin an konkrete Ergebnisse im Kampf gegen die Korruption, die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und die Gewährleistung unabhängiger Institutionen geknüpft. / Broschüre
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